Ein Rechtsstreit um Booking.com sorgt derzeit europaweit für Schlagzeilen: Über 10.000 Hotels fordern Schadensersatz von der Buchungsplattform. Für Ostsee-Urlauber ist der eigentlich interessante Punkt aber ein anderer: Wer sich die Provisionslogik von Buchungsportalen genauer ansieht, kann bei der Wahl seiner Unterkunft bares Geld sparen.

Der Hintergrund: Ein EuGH-Urteil bringt Bewegung in den Markt

Am 19. September 2024 entschied der Europäische Gerichtshof (Rechtssache C-264/23), dass die sogenannten Bestpreisklauseln von Booking.com gegen europäisches Wettbewerbsrecht verstoßen. Diese Klauseln hatten Hotels über Jahre untersagt, auf der eigenen Website günstigere Preise anzubieten als auf Booking.com selbst.

Gestützt auf dieses Urteil hat die niederländische Stiftung Stichting Hotel Claims Alliance (SHCA) eine Sammelklage vor dem Bezirksgericht Amsterdam eingereicht. Nach eigenen Angaben beteiligen sich inzwischen 10.783 Hotels aus ganz Europa, unterstützt von HOTREC und mehr als 30 nationalen Hotelverbänden; bis zum 11. September 2026 können weitere Betriebe hinzukommen.

Wichtig zur Einordnung: Die Klage wird von Hotels geführt, private Ferienhaus- und Ferienwohnungsvermieter an der Ostsee sind daran nicht beteiligt. Die zugrunde liegende Provisionslogik von Booking.com betrifft aber beide Gruppen gleichermaßen – und genau darin liegt das Sparpotenzial für Ihren nächsten Urlaub.

Wo das Sparpotenzial tatsächlich steckt

Nach aktuellen Angaben von Booking.com und mehreren Fachportalen zahlen Gastgeber in Deutschland eine Standardprovision von 12 bis 15 Prozent. Wer am „Preferred Partner“-Programm für bessere Sichtbarkeit teilnimmt, zahlt rund 3 Prozentpunkte mehr; kommt die Zahlungsabwicklung durch Booking.com hinzu, sind es weitere 1,1 bis 3,1 Prozent (lodgify.com).

Diese Mehrkosten schlägt der Vermieter dann auf die Übernachtungspreise bei den Buchungsportalen drauf. Was das bei einem typischen Ostsee-Urlaub bedeuten kann: Bei einer Ferienwohnung, die für eine Woche in der Hauptsaison auf der Website des Vermieters etwa 900 Euro kostet, kommen bei Portalen wie booking.com Aufschläge gegenüber einer provisionsfreien Direktbuchung hinzu. Dann ist die gleiche Wohnung mehr als 1.000 Euro teuer. Bei längeren Aufenthalten oder mehreren gebuchten Wochen kommen ganz beträchtliche Summen zusammen. Wie viel Sie im Einzelfall tatsächlich sparen, hängt von der Kalkulation des jeweiligen Vermieters ab. In aller Regel sind Direktbuchungen über die Website des Vermieters aber viel günstiger.

So finden Sie günstigere Direktangebote

  • Prüfen Sie, ob die Unterkunft, die Sie auf Booking.com oder anderen Portalen gefunden haben, auch über eine eigene Website oder direkten Kontakt buchbar ist – oft reicht eine Suche nach dem Namen der Unterkunft oder des Vermieters.
  • Ein kurzer Anruf oder eine Whats-App/E-Mail beim Vermieter lohnt sich fast immer – oft lassen sich dabei auch individuelle Wünsche zu Anreise, Haustieren oder Ausstattung gleich klären.
  • Wer Angst vor Fake-Angeboten im Internet hat, der sollte ebenfalls den persönlichen Kontakt zum Vermieter suchen und weitere Details zur Unterkunft erfragen.

Mehrere hundert Euros sparen bei Direktbuchung vom Vermieter

Der Rechtsstreit um Booking.com wird sich noch länger hinziehen. Für die eigene Urlaubsplanung an der Ostsee lohnt sich der Vergleich zwischen Portal- und Direktpreis aber unabhängig davon – mit etwas Recherche lässt sich bei längeren Aufenthalten mitunter eine spürbare dreistellige Summe sparen. Geld, das man besser in einen schönen Restaurantbesuch oder in Freizeitaktivitäten investieren kann.


Quellen: EuGH-Urteil C-264/23, Pressemitteilung des GerichtshofsTageskarte.io, 30.07.2026Lodgify Booking.com-Kostenübersicht, Stand Juli 2026


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Cookie Consent mit Real Cookie Banner