Feiner Sand, breite Strände und Dünen im Hintergrund – so wünschen sich Urlauber die Ostseeküste. Doch was viele nicht wissen: An zahlreichen Küstenabschnitten muss der Mensch dafür sorgen, dass die Strände so bleiben. Jedes Jahr werden riesige Mengen Sand aus dem Meer geholt und an die Küste gespült. Dahinter steckt ein aufwendiges System, das nicht nur die Strände erhält, sondern auch die Ferienorte vor Sturmfluten schützt.

Wer im Sommer seinen Strandkorb in Heiligenhafen, auf Rügen oder Usedom aufstellt, macht sich wahrscheinlich wenig Gedanken darüber, woher der Sand unter seinen Füßen stammt. Dabei ist der breite Sandstrand vielerorts nicht allein das Werk der Natur. Ohne regelmäßige Eingriffe sähe die Küste an manchen Stellen erheblich anders aus.

So wurden im Ostseebad Glowe rund 240.000 Kubikmeter Sand auf einer Küstenlänge von knapp zwei Kilometern aufgebracht. Die eigentliche Aufspülung wurde bereits zum Jahreswechsel 2025/2026 abgeschlossen. Im Mai folgte die Bepflanzung mit Strandhafer. Auch die Halbinsel Fischland-Darß-Zingst gehört zu den besonders gefährdeten Küstenabschnitten Mecklenburg-Vorpommerns. Zu den betroffenen Orten gehören insbesondere Ahrenshoop, Prerow und Zingst. Für den Abschnitt zwischen Prerow und Zingst wurde eine größere Aufspülung mit rund 720.000 Kubikmetern Sand berichtet.

Wind, Wellen und Meeresströmungen transportieren ständig Sand ab. An einigen Küstenabschnitten lagert er sich wieder an, an anderen geht dauerhaft immer mehr verloren, als von der Natur aus nachgeliefert wird. Besonders bei Sturmfluten können innerhalb kurzer Zeit große Mengen Sand von Stränden und Dünen verschwinden. Damit die Küste nicht immer weiter zurückweicht, wird Sand vom Meeresboden gewonnen und an besonders gefährdete Strandabschnitte gespült.

Eine halbe Million Kubikmeter Sand – jedes Jahr

Die Dimensionen des Küstenschutzes sind beträchtlich. Nach Angaben des Landes Mecklenburg-Vorpommern werden im langjährigen Durchschnitt jährlich rund 500.000 Kubikmeter Sand benötigt, um die natürlichen Verluste an der Außenküste auszugleichen. Das entspricht ungefähr 200 olympischen Schwimmbecken voller Sand.

Seit 1990 wurden nach Angaben des zuständigen Staatlichen Amtes für Landwirtschaft und Umwelt (StALU) insgesamt rund 17 Millionen Kubikmeter Sand in Dünen, Strände und vorgelagerte Flachwasserbereiche eingebracht.

Mecklenburg-Vorpommern besitzt insgesamt rund 1.945 Kilometer Küste. Davon entfallen 377 Kilometer auf die zur offenen Ostsee gerichtete Außenküste. Die übrigen Abschnitte liegen überwiegend an Bodden, Buchten und anderen geschützteren Küstengewässern. Nach Angaben der Landesregierung befinden sich etwa 265 Kilometer der Ostseeküste in einem natürlichen Rückgang.

Besonders wichtig für den Schutz der dahinterliegenden Ortschaften sind die mehr als 100 Kilometer Küstenschutzdünen. Sie bilden zusammen mit dem Strand und dem flachen Meeresboden unmittelbar vor der Küste eine Art natürliches Schutzpolster.

Bei einer Sturmflut brechen sich die Wellen zunächst über dem flachen Unterwasserbereich. Anschließend wird der Strand angegriffen. Erst wenn dessen Sandpolster nicht mehr ausreicht, erreicht die Brandung die Dünen. Je mehr Sand dort vorhanden ist, desto mehr Energie kann aufgenommen werden, bevor die dahinterliegenden Flächen gefährdet werden. Der Strand ist damit weit mehr als eine Fläche für Strandkörbe und Badehandtücher.

Woher kommt der neue Strandsand?

Der Sand stammt meist aus geeigneten Lagerstätten auf dem Meeresboden der Ostsee. Solche Vorkommen befinden sich teilweise mehrere Kilometer vor der Küste. Bevor sie genutzt werden dürfen, müssen ihre Eignung und die Auswirkungen einer Entnahme untersucht werden.

Der Sand muss hinsichtlich seiner Korngröße und Zusammensetzung zum jeweiligen Strand passen. Zu feines Material würde von Wellen und Strömungen besonders leicht wieder fortgetragen. Außerdem müssen bei der Gewinnung die Belange des Meeres- und Naturschutzes berücksichtigt werden.

Das eigentliche Verfahren klingt zunächst erstaunlich einfach. Spezielle Baggerschiffe fahren zu einer geeigneten Sandlagerstätte und saugen dort ein Gemisch aus Wasser und Sand vom Meeresboden in ihren Laderaum.

Anschließend transportieren sie den Sand zu dem Küstenabschnitt, der verstärkt werden soll. Über Rohrleitungen wird das Sand-Wasser-Gemisch bis an den Strand gepumpt. Dort fließt das Wasser zurück ins Meer. Zurück bleibt der Sand, den Planierraupen anschließend verteilen und in die gewünschte Form bringen.

Teilweise werden dabei auch Dünen neu aufgebaut oder verstärkt. Anschließend wird Strandhafer gepflanzt. Seine Wurzeln helfen, den Sand festzuhalten. Bis die Pflanzen ausreichend gewachsen sind, können Sandfangzäune den Sandflug begrenzen.

Für Urlauber bedeutet eine solche Maßnahme zunächst Baustellenbetrieb am Strand. Während der Arbeiten können einzelne Bereiche vorübergehend nicht genutzt werden. Deshalb finden größere Aufspülungen möglichst außerhalb der Hauptsaison statt.

Glowe auf Rügen: 240.000 Kubikmeter neuer Sand

Wie das praktisch aussieht, zeigte eine umfangreiche Maßnahme im Ostseebad Glowe an der Nordküste Rügens. Dort wurde zwischen Herbst 2025 und Frühjahr 2026 eine große Küstenschutzmaßnahme abgeschlossen. Auf einer Länge von 1.860 Metern wurden nach der abschließenden Mitteilung des Umweltministeriums rund 240.000 Kubikmeter Sand aufgespült. Hinzu kamen etwa 16.000 Quadratmeter neu bepflanzte Dünenfläche. Die Kosten betrugen rund 6,2 Millionen Euro.

Der Sand stammte aus einer marinen Lagerstätte vor Koserow auf Usedom. Von dort wurde er mit Spezialschiffen bis in die Tromper Wiek transportiert und anschließend über Rohrleitungen an den Strand gepumpt. Die letzte größere Aufspülung in Glowe hatte 2017 stattgefunden. Damals waren rund 131.000 Kubikmeter Sand eingebracht worden. Etwa acht Jahre später war eine erneute Verstärkung notwendig.

Die neue Sandmenge soll das Küstenschutzsystem wieder für mehrere Jahre stärken. Gleichzeitig profitieren Urlauber von einem breiteren Strand. Die eigentlichen Aufspülarbeiten wurden zum Jahreswechsel abgeschlossen, die Strandhaferpflanzung folgte im Mai 2026.

Warum verschwindet der Sand überhaupt?

Sandstrände sind keine unveränderlichen Landschaften. Sie entstehen und verändern sich durch das Zusammenspiel von Wellen, Wind, Strömungen und dem Material, das die Küste selbst liefert. Bei starkem Seegang wird Sand vom trockenen Strand in flachere oder tiefere Wasserbereiche transportiert. Ein Teil kann bei ruhigeren Wetterbedingungen wieder zurückgelangen. Gleichzeitig transportieren küstenparallele Strömungen Sand entlang der Uferlinie. Dadurch können einzelne Abschnitte Sand verlieren, während er sich andernorts ansammelt.

Schließlich liefern auch abbrechende Steilküsten neues Material. Solche natürlichen Abbrüche sind für den Sedimenthaushalt der Ostsee wichtig, weil Sand und anderes Lockermaterial von dort an benachbarte Küstenabschnitte gelangen können. Das erklärt auch, warum nicht jede Steilküste mit Mauern befestigt wird. Wird eine natürliche Sandquelle vollständig abgeschnitten, kann das an benachbarten Stränden zusätzliche Probleme verursachen. Die Küstenschützer versuchen deshalb nicht, die gesamte Ostseeküste unveränderlich festzuhalten. Sie konzentrieren sich vor allem auf gefährdete Siedlungen, Infrastruktur und Küstenabschnitte, an denen Überflutungen oder Landverluste erhebliche Folgen hätten.

Nicht nur Sand: Auch Buhnen sollen die Strände schützen

Neben Sandaufspülungen kommen an der Ostsee weitere Schutzmaßnahmen zum Einsatz. Besonders auffällig sind die hölzernen Buhnen, die vielerorts quer vom Strand ins Wasser ragen. Sie sollen den Sandtransport entlang der Küste beeinflussen und helfen, Sand in bestimmten Bereichen zurückzuhalten. Allerdings können sie den natürlichen Küstenrückgang nicht vollständig verhindern. Auch diese Anlagen müssen regelmäßig erneuert werden.

Ein aktuelles Beispiel findet sich östlich von Rostock-Hohe Düne. Dort werden zwischen Hohe Düne und Markgrafenheide 13 alte Buhnen zurückgebaut und 30 neue errichtet. Die Arbeiten erstrecken sich über zwei Bauabschnitte: Januar bis März 2026 sowie Oktober 2026 bis März 2027. Insgesamt betrifft das Projekt einen etwa 1,6 Kilometer langen Küstenabschnitt. Die Kosten liegen bei rund 2,9 Millionen Euro.

Und wie sieht es an der schleswig-holsteinischen Ostseeküste aus?

Auch zwischen Flensburg, Kiel, Fehmarn und der Lübecker Bucht verändern Wellen und Strömungen die Strände. Allerdings unterscheiden sich die Küstenschutzkonzepte teilweise deutlich von denen in Mecklenburg-Vorpommern. Während dort die regelmäßige großflächige Sandaufspülung ein zentrales Instrument des staatlichen Küstenschutzes ist, setzt Schleswig-Holstein an seiner Ostseeküste stärker auf Deiche, Deckwerke, Ufermauern und andere Sicherungsanlagen.

Der schleswig-holsteinische Fachplan Küstenschutz erläutert, dass Sandaufspülungen an der Ostseeküste zwar von einzelnen Küstenorten zur Erhaltung und Verbesserung ihrer Badestrände eingesetzt werden, aber zum damaligen Stand nicht als staatliche Küstenschutzmaßnahme dienten. Als Gründe nennt der Fachplan unter anderem die begrenzte Verfügbarkeit geeigneter Sandvorkommen vor der Küste sowie naturschutzfachliche Anforderungen an mögliche Entnahmestellen.

Das bedeutet nicht, dass Sand an der schleswig-holsteinischen Ostsee keine Rolle spielt. Allerdings muss zwischen der Unterhaltung touristisch genutzter Badestrände und dem staatlichen Schutz gefährdeter Küstenabschnitte unterschieden werden. Wie notwendig dieser Schutz ist, zeigte die schwere Ostseesturmflut im Oktober 2023. Im Ostseebad Hohwacht wurde damals die Düne vor einem Regionaldeich größtenteils abgetragen. Auch der Deichfuß und ein Gehweg wurden beschädigt.

Für die anschließende dauerhafte Sicherung bewilligte das Land 2025 rund 730.000 Euro Förderung. Vorgesehen ist unter anderem eine Verstärkung des Deichfußes auf etwa 140 Metern Länge.

Warum unsere Ostseestrände auch künftig neuen Sand brauchen

Die Vorstellung, ein einmal aufgespülter Strand bleibe dauerhaft erhalten, ist falsch. Sandaufspülungen gleichen Verluste aus, beseitigen aber nicht deren Ursachen. Wind, Wellen und Strömungen arbeiten weiter an der Küste. Wie häufig neuer Sand benötigt wird, hängt vom jeweiligen Küstenabschnitt, seiner Lage und den auftretenden Sturmfluten ab. Das Beispiel Glowe zeigt, dass zwischen größeren Aufspülungen durchaus mehrere Jahre liegen können. Nach einem schweren Sturm kann eine erneute Maßnahme aber auch früher erforderlich werden.

Für Ostseeurlauber hat dieser Aufwand einen angenehmen Nebeneffekt: Dort, wo der Küstenschutz mit Sand arbeitet, bleiben auch die breiten Strände erhalten, die viele Menschen an der Ostsee so schätzen. Wenn also im kommenden Sommer der Strandkorb auf einem besonders breiten Sandstreifen steht, könnte ein Teil dieses Sandes erst wenige Monate zuvor mit einem Spezialschiff aus dem Meer geholt worden sein.

Manchmal ist der schönste Platz am Strand eben auch das Ergebnis ziemlich aufwendiger Arbeit.

Text und Bild: KI


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