„70 Prozent Aufschlag“ für einen Strandkorb in der ersten Reihe: Diese Schlagzeile klingt empörend. In Grömitz verlangt eine Strandkorbvermietung tatsächlich 17 Euro in der ersten und 10 Euro in der siebten Reihe. Der Unterschied beträgt damit 7 Euro beziehungsweise 70 Prozent gegenüber dem günstigsten genannten Korb. Das macht diese Strandkorbvermietung schon länger. Auf den Bildern sind noch Preise von 14 Euro für die erste Reihe zu erkennen.

Strandkorbpreise sind nur die halbe Miete

Doch der Vergleich betrachtet nur einen Teil der Rechnung. Wer an vielen Ostseebädern den Strand nutzt, zahlt zusätzlich eine Kurabgabe – häufig umgangssprachlich Kurtaxe genannt. Diese liegt in der Hauptsaison meist zwischen 2 und 4 Euro pro Person und Tag. Für eine Familie kann die Abgabe deshalb den Strandkorbpreis locker verdoppeln. Die Strandkorbpreise bilden also nicht die vollständigen Kosten eines Strandtags ab.

Strandkörbe, Kurtaxe – Der Ostsee-Vergleich

Die Tagesmiete für Strandkörbe liegt an der deutschen Ostseeküste je nach Ort, Vermieter, Strandabschnitt und Lage ungefähr zwischen 10 und 20 Euro. In der Lübecker Bucht werden für 2026 beispielsweise 10 bis 20 Euro genannt; in Scharbeutz kostet ein Korb abhängig von der Lage 15 bis 20 Euro. Der NDR berichtet zudem über langfristige Strandkorbmieten von etwa 400 Euro in Haffkrug, 600 Euro in Grömitz und bis sogar 1.098 Euro Saisonmiete in Laboe.

Zingst verfolgt ein anderes Modell: Dort kostet ein Strandkorb 2026 unabhängig vom Standort 14 Euro pro Tag. Das ist übersichtlicher als ein Reihenmodell, aber nicht automatisch günstiger. Hinzu kommt, dass eine gültige Kurkarte Voraussetzung für die Buchung ist. Die Unterschiede bei der Kurabgabe sind erheblich – zumal kaum jemand alleine reist und sich die Personen dann bei der Kurtaxe summieren. Ein sauberer Kostenvergleich sollte daher immer auch Strandkorb und Kurabgabe gemeinsam ausweisen.

Was kostet denn nun ein Tag am Strand?

Die folgende Übersicht bezieht sich auf eine erwachsene, zahlungspflichtige Person, die einen Strandkorb für einen Tag mietet. Nicht enthalten sind Anreise, Parken, Essen, Getränke und sonstige Freizeitkosten. Da Strandkorbpreise, Saisonzeiten und Kurabgaben je nach Ort und Anbieter variieren, handelt es sich bei mehreren Orten um Richt- oder Beispielwerte, nicht um einen einheitlichen amtlichen Tarifvergleich.

Abschnitt von West nach OstBeispielhafte OrteStrandkorb pro TagKurabgabe pro PersonKosten für eine Person
Flensburg und FördeGlücksburg, Holnisca. 10–15 €ca. 2–3 €ca. 12–18 €
Eckernförder BuchtEckernförde, Dampca. 10–15 €ca. 2–3 €ca. 12–18 €
Kieler FördeLaboe, Schönbergca. 12–20 €bis ca. 3 €ca. 15–23 €
Hohwachter BuchtHohwacht, Sehlendorfca. 12–16 €ca. 2–3 €ca. 14–19 €
Lübecker BuchtNeustadt, Pelzerhaken, Haffkrug, Scharbeutzca. 10–20 €ca. 2–4 €ca. 12–24 €
OstholsteinGrömitz, Kellenhusen, Dahmeca. 10–17 €Grömitz 4 €ca. 14–21 €
Mecklenburgische KüsteBoltenhagen, Rerik, Kühlungsbornca. 12–18 €ca. 2–3,50 €ca. 14–21,50 €
Rostocker KüsteWarnemünde, Markgrafenheide, Graal-Müritzca. 12–18 €ca. 2–3 €ca. 14–21 €
Fischland-Darß-ZingstZingst, Prerow, Ahrenshoopca. 13–16 €Zingst 3 €ca. 16–19 €
RügenBinz, Sellin, Göhren, Gloweca. 12–18 €ca. 2,80–3,50 €ca. 14,80–21,50 €
Greifswalder BoddenLubmin, Zinnowitz, Karlshagenca. 10–16 €ca. 2–3 €ca. 12–19 €
UsedomHeringsdorf, Ahlbeck, Bansin, Ückeritzca. 12–18 €bis ca. 3,30 €ca. 15–21,30 €

Die Tabelle ist als redaktionelle Orientierung zu verstehen. Für einzelne Orte liegen öffentlich zugängliche und für 2026 bestätigte Einzelpreise vor, während die gesamte Strecke von Flensburg bis Usedom nur mit einer Vielzahl kommunaler und privater Preislisten belastbar abgebildet werden könnte. Allgemein liegt die Kurabgabe an der Ostsee in der Hauptsaison häufig zwischen 2 und 4 Euro pro Tag. Am besten sucht man sich daher lieber ein Ferienhaus ohne Kurabgabe.

Früher war alles billiger, oder?

Ein langfristiger kaufkraftbereinigter Vergleich der Strandkorbpreise ist bislang kaum möglich. Während aktuelle Preislisten für die Ostsee detailliert vorliegen, fehlen öffentlich zugängliche, methodisch vergleichbare Tagespreise aus den 1960er- bis 1990er-Jahren. Der heutige Preis von bis zu 20 Euro pro Tag lässt sich deshalb nicht ohne Weiteres als realer Kaufkraftsprung gegenüber früheren Jahrzehnten bewerten.

Was man jedoch herausfindet: 2010 kostete ein Strandkorb noch acht Euro pro Tag. In den 1990ern lagen die Preise bei circa 5-10 DM – soweit ich mich erinnern kann. Und diese Preise haben ihre Ursachen. Denn die Gemeinden verlangen pro Korb eine Nutzungsgebühr. Die Satzung über die Erhebung von Strandgebühren in der Gemeinde Timmendorfer Strand zum Beispiel nennt den fünffachen Tagespreis einer Strandkorbmiete als Saisongebühr. Auf der Insel Usedom verlangt die Gemeinde einhundert Euro pro Saison und Strandkorb. 

Es kommt also nicht von ungefähr, dass die Preise für Strandkörbe an der Ostsee steigen. Es liegt nicht daran, dass die Vermieter einfach mehr Geld verlangen können. Auch die Produktions- und Wartungskosten sowie die Abgaben an die Gemeinden sind in den letzten Jahren stark gestiegen.

Das Aus der Strandkörbe

Und doch fällt es bei den Strandspaziergängen auf: Die Strandkörbe bleiben leer. Auch, wenn das Preisniveau insgesamt gestiegen ist und der Preis für ein Strandkorb nun eigentlich kein absoluter Wucher ist. Dennoch bleiben die Leute weg. Oder: sie legen sich lieber auf das Handtuch vor die Strandkörbe. 

Das liegt auch am geänderten Freizeitverhalten. Sicher sind die Menschen preissensibler geworden. Wenn eben alles teurer wird, dann spart man bei den Dingen, die nicht unbedingt nötig sind. Und ein Strandkorb ist es eben nicht. Früher war das anders. Da waren der Strandkorb und der obligatorische Sandwall darum herum quasi ein Muss. Vater setzte sich morgens mit der Zeitung in den Strandkorb und Mutti las eine Frauenzeitschrift. Den ganzen Tag brutzelte man vor sich hin, bis es am frühen Abend wieder zurück in die Ferienwohnung ging.

Dieser statische Urlaub an der Ostsee gehört der Vergangenheit an. Die wenigsten bleiben den ganzen Tag an einem Fleck. Viele erfrischen sich und unternehmen dann anderes in der Gegend. Volleyball am Strand, SUPs im Wasser, endlose Strandspaziergänge. Einen fixen Strandkorb als Trutzburg und Abgrenzung gegenüber anderen benötigt dabei so gut wie keiner mehr. Es ist wie mit den Strandkarren aus früheren Zeiten. Die gibt es heute auch nur noch als bestaunte Besonderheit für Hochzeiten oder anderes.

Der Strandkorb hat seine besten Jahre wohl gesehen. Als Relikt im heimischen Garten eines Ostsee-Liebhabers wird er wohl sicher noch einige Jahre seine Existenzberechtigung haben. An den Stränden der Ostsee werden die Strandkörbe wohl sicher in den nächsten Jahren nach und nach verschwinden.


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