Am Dienstag legt Mecklenburg-Vorpommern seine Tourismusbilanz für den Sommer 2026 vor. Noch fehlen damit wichtige Zahlen für den Tourismus an der Ostsee. Doch bereits veröffentlichte Daten aus Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein sowie aktuelle Untersuchungen zum Reiseverhalten erlauben eine erste Prognose. Von einer Urlaubskrise an der Ostsee kann keine Rede sein. Allerdings entwickelt sich die Nachfrage regional sehr unterschiedlich – und die Gäste buchen immer kurzfristiger.
Wie gut war der Sommer 2026 an der Ostsee wirklich? Am Dienstag wollen Wirtschafts- und Tourismusminister Wolfgang Blank, die MV Tourismus GmbH und der Hotel- und Gaststättenverband Dehoga in Schwerin ihre Sommerbilanz vorstellen. Die entscheidenden Zahlen für die Hauptsaison sind damit noch nicht veröffentlicht. Wer allerdings auf die bereits vorliegenden Daten schaut, erkennt einige deutliche Trends. Schwierig scheint die Prognose daher nicht.
Mecklenburg-Vorpommern startete mit einem Plus ins Jahr
Von Januar bis Mai registrierte Mecklenburg-Vorpommern 9,57 Millionen Übernachtungen. Das waren 2,8 Prozent mehr als im gleichen Zeitraum 2025. Auch bei den Gästeankünften ging es nach oben: 2,67 Millionen Gäste bedeuteten ein Plus von 5,9 Prozent.
Der außergewöhnlich starke Mai verzerrt das Bild allerdings etwas. Pfingsten lag 2026 im Mai, im vergangenen Jahr dagegen im Juni. Im Mai allein wurden deshalb 3,37 Millionen Übernachtungen gezählt – fast zwölf Prozent mehr als im Vorjahresmonat. Betrachtet man inzwischen auch den Juni, wird das Bild wesentlich nüchterner.
Nach den aktuell verfügbaren Daten kam Mecklenburg-Vorpommern im ersten Halbjahr auf rund 13,3 Millionen Übernachtungen. Das entspricht nur noch einem Plus von etwa 0,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das deutet darauf hin, dass ein Teil des starken Mai-Geschäfts lediglich aus dem Juni vorgezogen wurde.
Rügen und Usedom entwickelten sich besser als die Küste
Interessant wird es beim Blick auf die einzelnen Urlaubsregionen. Bis Ende Mai lagen Usedom mit 4,4 Prozent mehr Übernachtungen und Rügen/Hiddensee mit einem Plus von 3,5 Prozent vergleichsweise deutlich über dem Vorjahr. Die Mecklenburgische Ostseeküste verzeichnete dagegen ein Minus von 0,6 Prozent.
Mit den inzwischen vorliegenden Halbjahresdaten hat sich das Bild etwas abgeschwächt: Für Rügen/Hiddensee weist die Statistik im ersten Halbjahr noch ein leichtes Übernachtungsplus von 0,5 Prozent aus. Die Mecklenburgische Ostseeküste liegt mit minus 1,1 Prozent weiterhin unter dem Vorjahresniveau. Das ist ein wichtiger Hinweis für die am Dienstag erwartete Sommerbilanz:
„Die Ostsee“ entwickelt sich nicht als einheitlicher Urlaubsmarkt.
Selbst benachbarte Regionen können deutlich unterschiedlich abschneiden. Für eine Einschätzung der noch fehlenden Sommermonate lohnt sich der Blick einige hundert Kilometer weiter nach Westen. Aus Schleswig-Holstein liegen bereits Zahlen bis einschließlich Juli vor. Und dort war der Juli ausgesprochen stark.
Das Statistikamt Nord registrierte 6,08 Millionen Übernachtungen. Das waren 3,9 Prozent mehr als im Juli 2025. Die Zahl der Gäste stieg sogar um 3,6 Prozent. Von Januar bis Juli erreichte Schleswig-Holstein damit ein Übernachtungsplus von 1,3 Prozent.
Bemerkenswert ist die Entwicklung auch deshalb, weil der Juni zuvor schwach ausgefallen war. Die Übernachtungszahlen waren im Juni um 4,9 Prozent zurückgegangen. Ein schwacher Monat bedeutete also keineswegs einen schwachen Sommer.
Ob sich diese Entwicklung eins zu eins auf Mecklenburg-Vorpommern übertragen lässt, ist also noch offen. Dafür unterscheiden sich Märkte, Ferienzeiten und Unterkunftsstrukturen zu stark. Sie zeigt aber: Die Nachfrage nach deutschem Küstenurlaub ist 2026 keineswegs eingebrochen.
Ferienhäuser und Camping profitieren
Noch ein Trend fällt in Mecklenburg-Vorpommern auf. Ferienhäuser und Ferienwohnungen entwickelten sich in den bisher verfügbaren Daten besser als manche klassischen Beherbergungsformen. Für das erste Halbjahr weist die Tourismusstatistik rund 2,6 Millionen Übernachtungen in Ferienwohnungen, Ferienhäusern und Feriendörfern aus. Das entspricht einem Plus von 3,2 Prozent.
Noch stärker entwickelte sich Camping. Camping- und Stellplätze kamen auf gut eine Million Übernachtungen und damit auf ein Plus von 17,6 Prozent. Gasthöfe verloren dagegen stark um 8,5 Prozent, Hotels garni 1,3 Prozent. Klassische Hotels lagen mit einem Plus von 0,3 Prozent nahezu auf Vorjahresniveau. Das spricht für eine Verschiebung innerhalb des Marktes. Individuelle Unterkünfte und Camping gewinnen derzeit stärker als Teile der klassischen Hotellerie.
Gäste entscheiden immer später
Für Vermieter könnte jedoch ein anderer Trend mindestens ebenso wichtig sein wie die reine Zahl der Übernachtungen. Die Urlauber buchen kurzfristiger.
Schleswig-Holsteins Tourismusministerium bezeichnete genau diese Entwicklung bei seiner Halbjahresbilanz als zunehmendes Problem für die Planungssicherheit der Betriebe. Ein wesentlicher Faktor ist das Wetter: Gäste können immer genauer abschätzen, wie die kommenden Tage werden – und warten entsprechend länger mit ihrer Entscheidung.
Für Ferienhausvermieter kann das bedeuten, dass ein im Frühjahr noch ungewöhnlich leer aussehender Belegungskalender längst nicht mehr automatisch auf eine schlechte Saison schließen lässt. Umgekehrt steigt der Druck, kurzfristig sichtbar und buchbar zu sein.
Der Herbst könnte schwieriger werden
Während die bisher bekannten Sommerdaten insgesamt eher für einen stabilen Küstentourismus sprechen, wird der Ausblick auf den Herbst vorsichtiger. Der aktuelle Urlaubsplanungsindex des Deutschen Tourismusverbandes und des Deutschen Instituts für Tourismusforschung liegt für September bis November bei 81 Punkten. Im Herbst 2025 lag der als Referenz verwendete Index bei 100. Nur noch 55 Prozent der Deutschen planen in diesem Herbst mindestens eine Urlaubsreise. Vor einem Jahr waren es 61 Prozent.
Das ist noch keine Prognose für die Ostsee. Der Index erfasst die Reiseabsichten der Deutschen insgesamt. Für Küstenorte, die ihre Saison zunehmend in September, Oktober und November verlängern wollen, ist die Entwicklung dennoch relevant.
Was wir für Mecklenburg-Vorpommern erwarten können
Die vorhandenen Daten erlauben drei begründete Erwartungen.
Erstens: Ein dramatischer Einbruch des Ostseetourismus ist sehr unwahrscheinlich. Mecklenburg-Vorpommern lag im ersten Halbjahr bei den Übernachtungen leicht über dem Vorjahr; Schleswig-Holstein verzeichnete im Juli sogar ein deutliches Plus.
Zweitens: Die Unterschiede zwischen den Regionen dürften beträchtlich sein. Bereits vor der Hauptsaison entwickelten sich Inseln, Küstenabschnitte und Städte sehr unterschiedlich.
Drittens: Die reine Zahl der Übernachtungen erzählt zunehmend nur einen Teil der Geschichte. Kurzfristigere Buchungen, steigende Kosten und die Verschiebung zwischen Hotels, Ferienwohnungen und Camping verändern den Markt.
Mecklenburg-Vorpommern das am stärksten bereiste Bundesland
Mecklenburg-Vorpommern ist bereits heute das tourismusintensivste Bundesland Deutschlands. 2025 wurden dort 21.155 Übernachtungen je 1.000 Einwohner gezählt. Schleswig-Holstein folgte mit 13.037.
Die spannende Frage am Dienstag lautet deshalb vermutlich nicht, ob die Menschen noch an die Ostsee kommen. Sondern wo sie übernachten, wie kurzfristig sie buchen – und welche Küstenregionen 2026 besonders davon profitieren.
Text und Bild: KI

