Massentourismus ist für immer mehr europäische Reiseziele zu einem echten Problem geworden. Die Antwort vieler Kommunen und Regionen: , Eintrittsgebühr, höhere Abgaben, strengere Zugangsregeln oder alles zusammen. Der Fantasie sind kaum Grenzen gesetzt. Vielfach heißt die Zwangsabgabe sogar „Ökosteuer“.

Venedig: Eintritt an 60 statt 54 Tagen

Wer Venedig 2025 als Tagesgast besuchen wollte, musste an 54 Tagen ein Ticket für bis zu 10 Euro lösen. 2026 wird diese Regelung ausgeweitet: An 60 ausgewählten Tagen zwischen dem 3. April und dem 26. Juli müssen Urlauber zwischen 8:30 und 16:00 Uhr Eintritt für die Altstadt zahlen. Wer mindestens vier Tage im Voraus bucht, zahlt 5 Euro, bei kurzfristiger Buchung werden 10 Euro fällig. Wer in der Gemeinde Venedig übernachtet, zahlt bereits Kurtaxe und ist von der Zugangsgebühr befreit – ebenso Einheimische, Studierende sowie Kinder unter 14 Jahren. Eine Obergrenze für die Zahl der Besucherinnen und Besucher gibt es aber weiterhin nicht, wird laut Stadtverwaltung jedoch geprüft.

Amsterdam: Höchste Kurtaxe Europas, weniger Kreuzfahrtschiffe

Amsterdam erhebt seit 2024 eine Kurtaxe von 12,5 Prozent des Übernachtungspreises – bei einem durchschnittlichen Zimmerpreis von rund 175 Euro macht das etwa 22 Euro pro Nacht. Damit liegt die niederländische Hauptstadt europaweit an der Spitze. Auch Kreuzfahrtgäste zahlen mehr: Die Tagesabgabe für Passagiere stieg von 8 auf 11 Euro. Zusätzlich schränkt die Stadt den Kreuzfahrtverkehr im Hafen ein: Statt bisher rund 190 Anläufen sollen 2026 nur noch 100 Schiffe zugelassen werden, bis 2035 ist ein vollständiges Verbot geplant.

Griechenland: Neue Anlandegebühr für Kreuzfahrtgäste

Seit dem Sommer 2025 zahlen Kreuzfahrtpassagiere in griechischen Häfen eine zusätzliche Gebühr. Auf den besonders stark frequentierten Inseln Santorin und Mykonos werden in der Hochsaison von Juni bis September 20 Euro pro Person fällig, in der Vor- und Nachsaison 12 Euro und in den Wintermonaten 4 Euro. In den übrigen griechischen Häfen liegt die Gebühr je nach Saison zwischen 1 und 5 Euro. Die Einnahmen sollen nach Angaben des zuständigen Ministeriums in Müllentsorgung, Umweltschutz und den Nahverkehr der Inseln fließen. Allein auf Santorin legen jährlich rund 500 Kreuzfahrtschiffe an, auf Mykonos waren es zuletzt rund 749.

Teneriffa: Halbe Besucherzahl am Teide, neue Ökosteuer

Die Inselverwaltung von Teneriffa hat beschlossen, die Besucherzahlen im Nationalpark Teide deutlich zu reduzieren. Ab 2027 soll ein Shuttlebus-Netz mit 28 Bussen den Individualverkehr von Touristen ersetzen, für stark frequentierte Aussichtspunkte wie die Roques de García gilt künftig eine Reservierungspflicht. Bereits ab Sommer 2026 werden an den Haupteingängen Zufahrtskontrollen eingeführt. Zusätzlich ist eine so genannte „Ökosteuer“ für auswärtige Besucherinnen und Besucher geplant, deren genaue Höhe noch geprüft wird; für einzelne Wanderrouten wie den Gipfelweg auf den Vulkan sind separate Gebühren zwischen 6 und 15 Euro im Gespräch. Einwohnerinnen und Einwohner der Insel bleiben von den Gebühren ausgenommen.

Mallorca und Balearen: Ökosteuer bleibt vorerst stabil

Auf den Balearen war für 2026 zunächst eine höhere „Ökosteuer“ im Gespräch gewesen. Anfang Februar entschied die Regionalregierung jedoch, die für Normalurlauber geltende Abgabe von 1 bis 4 Euro pro Person und Nacht nicht anzuheben, da der Umweltdruck in der Hochsaison zuletzt sogar gesunken sei. Für Gäste von Fünf-Sterne-Hotels wurde für die Sommermonate Juni bis August allerdings ein Aufschlag eingeführt: Hier steigt die Kurtaxe von 4 auf 6 Euro, in besonders exklusiven Häusern auf bis zu 8 Euro pro Nacht.

Und an der Ostsee?

Auch an der deutschen Ostseeküste werden Urlauber 2026 vielerorts stärker zur Kasse gebeten. Nach einer Analyse von HolidayCheck erhöhen mehr als 60 der über 390 untersuchten Gemeinden ihre Kurtaxe. Auf Usedom steigt der Beitrag in Zingst von 2,30 auf 3,00 Euro, in Trassenheide von 2,80 auf 3,90 Euro. Kiel führt ab Herbst 2026 erstmals eine Bettensteuer von 5 Prozent auf Übernachtungen ein. Andere Orte gehen den umgekehrten Weg: Waren an der Müritz senkt die Kurtaxe von 2,70 auf 2,50 Euro, Zinnowitz auf Usedom von 4,20 auf 3,70 Euro. Insgesamt liegt die Kurtaxe an den meisten Ostseebädern weiterhin zwischen 2 und 3,50 Euro pro Nacht – deutlich unter den Sätzen, die Städte wie Amsterdam oder Venedig inzwischen aufrufen.

Im europäischen Vergleich zeigt sich: Während südeuropäische Hotspots zunehmend auf Zugangsbeschränkungen und deutlich steigende Gebühren setzen, bewegt sich die Ostsee bislang in einem moderateren Rahmen. Wer dem Trend steigender Städtetaxen entgehen will, findet an der Küste noch vergleichsweise entspannte Bedingungen.


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