Vom 20. bis 23. August 2026 feiert Wismar das 25. Schwedenfest. Historische Truppen, schwedische Musik, ein großer Festumzug, Feuerwerk und Lasershow verwandeln die Altstadt und den Alten Hafen in eine lebendige Bühne. Der Eintritt ist frei.
Wer in diesen Tagen durch Wismar spaziert, könnte für einen Moment glauben, die Hansestadt gehöre wieder zu Schweden. Vor dem Rathaus marschieren historische Truppen auf, blau-gelbe Fahnen wehen über den Straßen und zwischen Marktplatz und Altem Hafen erklingt Musik aus Schweden. Vom Donnerstag, 20. August, bis Sonntag, 23. August 2026, feiert Wismar sein 25. Schwedenfest – und damit ein ganz besonderes Jubiläum.
Das Fest zählt zu den größten Volksfesten in Norddeutschland und gilt als größtes Schwedenfest außerhalb Schwedens. Vier Tage lang verbindet es Geschichte, Musik, Jahrmarkt, Sport und nordische Lebensfreude. Für Ostseeurlauber ist das eine wunderbare Gelegenheit, einen Ausflug in die UNESCO-Welterbestadt mit einem außergewöhnlichen Fest zu verbinden.
Warum Wismar überhaupt ein Schwedenfest feiert
Die enge Verbindung zwischen Wismar und Schweden reicht bis in den Dreißigjährigen Krieg zurück. Schwedische Truppen nahmen die Stadt bereits 1632 ein. Mit dem Westfälischen Frieden von 1648 gelangten Wismar sowie die Insel Poel und das Amt Neukloster offiziell unter die Herrschaft der schwedischen Krone.
Die sogenannte Schwedenzeit prägte Wismar über viele Generationen. Im Fürstenhof nahm 1653 das Königlich-Schwedische Tribunal seine Arbeit auf, der höchste Gerichtshof für die deutschen Besitzungen der schwedischen Krone. Soldaten, Kaufleute, Schiffbauer und Handwerker aus Schweden ließen sich in der Stadt nieder und hinterließen Spuren, die bis heute sichtbar sind.
1803 wurde Wismar im Pfandvertrag von Malmö an Mecklenburg abgetreten. Erst 1903 verzichtete Schweden endgültig auf sein Recht, die Stadt wieder einzulösen. Das Schwedenfest erinnert daher nicht an eine beliebige historische Episode, sondern an einen prägenden Abschnitt der Wismarer Stadtgeschichte.
Historisches Lagerleben mitten auf dem Marktplatz
Das Herz des Schwedenfestes schlägt auf dem historischen Marktplatz. Hier entsteht ein Heerlager, in dem schwedische Traditionsvereine das militärische und alltägliche Leben vergangener Jahrhunderte darstellen. Zu erleben sind unter anderem die Bohus Elfsborghs Caroliner, der Wismarer Schützenverein und die historische Militärblaskapelle Fristá Hé Sextetten.
Ein besonderer Blickfang ist die schwedische Leibgarde aus Stockholm. Ihre Aufmärsche und Vorführungen erinnern an die Wachablösung vor dem königlichen Schloss. Am Freitag um 16 Uhr wird das Schwedenfest offiziell eröffnet, anschließend folgt der Zapfenstreich der historischen Truppen. Auch am Samstag und Sonntag gehören die Leibgarde, historische Darstellungen und das Lagerleben zum Programm.
Musik auf fünf Bühnen – von Schweden-Pop bis ABBA
Gefeiert wird nicht nur auf dem Marktplatz. Die Festmeile zieht sich durch die Altstadt bis zur Hafenspitze am Alten Hafen. Auf fünf Bühnen treten Bands, Solokünstler und Musikgruppen auf. Mit dabei sind Künstler aus Wismar ebenso wie Gäste aus Stockholm und Småland.
Am Freitagabend folgen auf eine KARAT-Tribute-Band und eine Party-Coverband um 22.45 Uhr das große Feuerwerk. Danach stehen unter anderem eine Robbie-Williams-Tribute-Show und Schweden-Pop auf dem Programm. Am Samstag tritt der Sänger Sydney Youngblood auf; sobald es dunkel genug ist, beginnt gegen 22.45 Uhr eine Lasershow. Den musikalischen Schlusspunkt setzt am Sonntag um 18 Uhr „The ABBA Show“. Mehr Schwedengefühl geht auf einer deutschen Festbühne wohl kaum.
Der Schwedenweg: Wismars Geschichte zieht durch die Straßen
Zu den schönsten Momenten des Festwochenendes gehört der „Schwedenweg“ am Sonntag. Der große historische Umzug startet um 12 Uhr am Marktplatz; die Aufstellung beginnt bereits um 11.45 Uhr vor dem Rathaus. Traditionsvereine, Spielmannszüge und historisch gekleidete Teilnehmer ziehen durch die Stadt und machen Wismars schwedische Vergangenheit für eine gute Stunde lebendig.
Wer den Umzug in Ruhe verfolgen möchte, sollte frühzeitig einen Platz entlang der Strecke suchen. Gerade rund um den Marktplatz wird es erfahrungsgemäß voll.
Schwedenfest mit Kindern: Karussell, Zirkus und Kubb
Auch Familien finden reichlich Abwechslung. Am Samstag findet von 11 bis 14 Uhr im Garten des Fürstenhofs das Kinderschwedenfest statt. Wikingerkarussell, Rollenrutsche, Hüpfburg, Bastelangebote und weitere Spielmöglichkeiten sorgen dafür, dass auch jüngere Besucher auf ihre Kosten kommen.
An der Hafenspitze bietet der „Mötesplats“ ein zusätzliches Familienprogramm mit Kinderzirkus, Kinderdisco und schwedischen Aktionen. Fahrgeschäfte, Kinderkarussell und typische Jahrmarktsspezialitäten begleiten die Festmeile am Alten Hafen.
Wer das schwedische Wurfspiel Kubb kennt – oder kennenlernen möchte –, sollte am Samstag hinter dem Rathaus vorbeischauen. Dort beginnt um 10 Uhr das 16. Kubb-Turnier. Zur gleichen Zeit startet in der Wismarbucht die Schwedenkopfregatta. Am Sonntag kommen schließlich die Läufer zum Zuge: Der Schwedenlauf beginnt ab 9.45 Uhr an der Wasserkunst auf dem Marktplatz.
Anreise: Am besten ohne Auto bis in die Altstadt
Der Eintritt zum Schwedenfest ist frei. Da Teile der Innenstadt für den Verkehr gesperrt sind und rund um den Marktplatz nur eingeschränkt Parkplätze zur Verfügung stehen, empfiehlt sich die Anreise mit Bahn oder Bus. Vom Bahnhof sind Marktplatz und Alter Hafen bequem zu Fuß erreichbar.
Am Samstag und Sonntag gibt es außerdem einen kostenpflichtigen Shuttle zwischen dem Bürgerpark und dem Schiffbauerdamm. Wegen des Festes werden mehrere Buslinien umgeleitet und einzelne Haltestellen zeitweise nicht bedient. Besucher sollten sich deshalb vor der Abfahrt über die aktuellen Verkehrshinweise der Hansestadt und des Nahverkehrs informieren.
Wichtig für Radfahrer: In der Fußgängerzone der Altstadt und an der Promenade des Alten Hafens gilt wegen der engen Festmeile vom 17. bis 24. August ein Radfahrverbot. Das Fahrrad muss dort geschoben werden beziehungsweise außerhalb des Veranstaltungsbereichs abgestellt werden.
Unser Ostseebote-Tipp
Wer das Schwedenfest zum ersten Mal besucht, sollte nicht nur wegen des Abendprogramms kommen. Besonders reizvoll ist die Mischung aus historischer Kulisse und modernem Volksfest: am Vormittag das Lagerleben auf dem Marktplatz ansehen, anschließend durch die Krämerstraße zum Alten Hafen bummeln und den Tag bei Musik am Wasser ausklingen lassen.
Für einen Tagesausflug eignen sich Samstag und Sonntag besonders gut. Am Samstag stehen Familienprogramm, Kubb-Turnier, Segelregatta und Lasershow auf dem Plan. Am Sonntag verbinden sich Schwedenlauf, Festumzug und ABBA-Show zu einem stimmungsvollen Finale.
Wenn Wismar blau-gelb geschmückt ist, Kanonendonner über den Markt rollt und Musik bis zum Hafen klingt, wird Geschichte nicht nur erzählt, sondern erlebt. Das 25. Schwedenfest ist deshalb weit mehr als ein Stadtfest – es ist eine sommerliche Zeitreise mit Ostseeluft.

