Der Tod eines besonderen Rothirsches sorgt auf Rügen für Empörung: Der Forschungshirsch mit dem galanten Namen „Ossi“ trug ein Senderhalsband und lieferte wertvolle Daten über die Wanderungen des Rotwildes auf Rügen und Hiddensee. Nun wurde das Tier geschossen. Nach Angaben des Jagdverbandes Rügen-Hiddensee soll dafür keine Genehmigung vorgelegen haben.
Wer den Hirsch erlegte und unter welchen Umständen dies geschah, ist bislang nicht abschließend geklärt. Der Jagdverband fordert eine vollständige Aufklärung und mögliche Konsequenzen für den Verantwortlichen. Das Senderhalsband sei bei dem Abschuss beschädigt und anschließend an den Verband übergeben worden.
Ein Hirsch im Dienst der Forschung
„Ossi“ gehörte zum Forschungsprojekt „Wild auf Wanderschaft“. Dafür werden ausgewählte Tiere mit Sendern ausgestattet. Ihre Aufenthaltsorte lassen sich regelmäßig erfassen, ohne dass die Hirsche ständig von Menschen beobachtet werden müssen.
Die Bewegungsdaten zeigen unter anderem, welche Wege das Rotwild zwischen seinen Rückzugsräumen, Äsungsflächen und Brunftplätzen nutzt. Sie können außerdem sichtbar machen, an welchen Straßen oder anderen Hindernissen die Tiere auf ihren Wanderungen besonders gefährdet sind.
Nach Darstellung des Jagdverbandes ermöglichten die Daten von „Ossi“ erstmals detaillierte Einblicke in das räumliche und zeitliche Verhalten des Rotwildes auf Rügen und Hiddensee. Das Projekt wurde auch an der Hochschule Neubrandenburg vorgestellt.
Mit dem Tod des besenderten Hirsches endet nun eine laufende Datenerfassung. Der Jagdverband bezeichnet den Abschuss deshalb als schweren Verlust für die Wissenschaft.
Noch sind wichtige Fragen offen
Ob tatsächlich ein Rechtsverstoß vorliegt, müssen die zuständigen Stellen klären. Die bisher öffentlich bekannten Angaben stammen vor allem vom Jagdverband. Deshalb sollte derzeit nicht vorweggenommen werden, wie der Vorgang rechtlich zu bewerten ist.
Zu klären ist insbesondere, wer den Schuss abgegeben hat, ob das Tier eindeutig zu erkennen war und weshalb das auffällige Senderhalsband den Abschuss nicht verhinderte. Auch die Beschädigung und spätere Rückgabe des Halsbandes dürfte bei der Aufarbeitung eine Rolle spielen.
Rotwild gehört zur besonderen Tierwelt der Ostseeküste
Rothirsche leben nicht nur auf Rügen, sondern auch in anderen Küstenregionen Mecklenburg-Vorpommerns. Besonders eindrucksvoll lassen sie sich während der Brunftzeit erleben. Dabei gelten allerdings klare Regeln: Besucher sollten Abstand halten, ausgewiesene Wege nicht verlassen und die Tiere nicht durch Lärm oder Annäherungsversuche stören.
Wo und wie sich die Hirschbrunft respektvoll beobachten lässt, haben wir in unserem Beitrag „Wenn es hinter den Dünen röhrt: Hirschbrunft auf dem Darß erleben“ zusammengefasst.
Der Fall „Ossi“ zeigt zugleich, weshalb Forschungsprojekte über Wildtiere wichtig sind. Nur wenn ihre Lebensräume und Wanderwege bekannt sind, können Schutzmaßnahmen gezielt geplant werden. Umso schwerer wiegt der Verlust eines Tieres, das über längere Zeit wissenschaftliche Daten geliefert hat.
Quelle: Ostsee-Zeitung – Forschungshirsch „Ossi“ auf Rügen erschossen
Text und Bild: KI

