Öl- und Gasförderung in der Ostsee – direkt vor einer der beliebtesten deutschen Urlaubsinseln? Mehr als 89.000 Menschen haben inzwischen eine Petition gegen entsprechende Pläne unterschrieben. Doch was ist dort tatsächlich geplant – und wie nah ist die Ölbohrung Usedom?

Wer am Strand von Usedom über die Ostsee schaut, denkt vermutlich eher an Urlaub als an Erdölförderung. Doch auf der polnischen Seite der Pommerschen Bucht gibt es erhebliche Öl- und Gasvorkommen. Das kanadische Unternehmen Central European Petroleum (CEP) hatte dort nach Probebohrungen einen bedeutenden Fund gemeldet. Nach Angaben des BUND geht es um mehr als 33 Millionen Tonnen Öl und rund 27 Milliarden Kubikmeter Erdgas, die das Unternehmen fördern will.

Historischer Öl- und Gasfund in der Ostsee: Das Bohrprojekt „Wolin East 1“

Im Juli 2025 gelang dem kanadischen Energieunternehmen Central European Petroleum (CEP) mit der Testbohrung „Wolin East 1“ der größte konventionelle Ölfund in der Geschichte Polens. Die Bohrung liegt rund sechs Kilometer vor der Hafenstadt Świnoujście (Swinemünde) in Sichtweite der Insel Usedom und erreichte eine Tiefe von 2.715 Metern. Das Vorkommen wird auf rund 200 Millionen Barrel Öläquivalent (Öl und Gas) geschätzt.

Während die Betreiber das Projekt als Meilenstein für die europäische Energiesicherheit sehen, regt sich auf deutscher und polnischer Seite starker Protest von Umweltverbänden und Tourismusvertretern. Sie befürchten bei einer dauerhaften Förderung schwere Schäden für das sensible Ökosystem der Ostsee und die Urlaubsregionen. Eine Genehmigung für die kommerzielle Förderung steht aufgrund ausstehender Umweltprüfungen noch aus. Damit ist aus einem Energieprojekt auf polnischer Seite längst auch ein Thema für die deutsche Ostseeküste geworden.

Mehr als 89.000 Menschen protestieren

Nun übergab der BUND in Berlin mehr als 89.000 Unterschriften gegen neue Öl- und Gasförderung in der Ostsee an das Bundesumweltministerium. Auch der NDR berichtet über die Petition und die Förderpläne. Die Umweltorganisation fordert nicht nur ein Vorgehen gegen das konkrete Projekt. Deutschland solle sich auf europäischer Ebene grundsätzlich gegen neue Öl- und Gasförderung in der Ostsee einsetzen. Das Bundesumweltministerium arbeitet derzeit an einem „Aktionsplan Meer“. Genau in diese Diskussion wollen die Initiatoren ihre Forderung einbringen.

Warum sorgt das Projekt für so viel Widerstand?

Die Pommersche Bucht ist ökologisch sensibel. Teile der Region gehören zum europäischen Natura-2000-Netz. Umweltverbände befürchten zusätzliche Belastungen für Schweinswale, Kegelrobben, Seevögel und andere Meereslebewesen. Sie verweisen darauf, dass die Ostsee ohnehin bereits stark unter Nährstoffeinträgen, Schadstoffen, Überfischung und Sauerstoffmangel leidet.

Bei der Öl- und Gasförderung kommen weitere mögliche Belastungen hinzu – von den Bau- und Bohrarbeiten bis zum Risiko von Leckagen und Unfällen. Ob und in welchem Umfang solche Auswirkungen beim konkreten Projekt tatsächlich eintreten würden, muss allerdings im Genehmigungs- und Umweltprüfungsverfahren bewertet werden.

Und was bedeutet das für Urlauber auf Usedom?

Usedom lebt zu einem erheblichen Teil vom Bild einer weitgehend natürlichen Ostseeküste. Die Kaiserbäder Ahlbeck, Heringsdorf und Bansin gehören zu den bekanntesten Ferienorten Mecklenburg-Vorpommerns. Eine Öl- und Gasförderung in der Pommerschen Bucht berührt deshalb nicht nur Fragen des Naturschutzes und der Energiepolitik. Auch die Auswirkungen auf das Image der Urlaubsregion spielen in der öffentlichen Diskussion eine Rolle. Dass eine Förderung tatsächlich zu weniger Urlaubern auf Usedom führen würde, ist derzeit allerdings nicht belegt.

Ebenso wenig sollte der Eindruck entstehen, unmittelbar vor den Strandkörben der Kaiserbäder werde demnächst eine große Ölplattform errichtet. Das Vorhaben befindet sich auf polnischer Seite und unterliegt dort den entsprechenden Verfahren.

Die Grenze endet am Strand – die Ostsee nicht

Das macht den Konflikt kompliziert. Deutschland kann ein polnisches Förderprojekt nicht einfach verbieten. Auswirkungen auf das Meer halten sich andererseits nicht an Staatsgrenzen. Deshalb versuchen die Gegner, das Thema auf die europäische Ebene zu bringen. Die Petition richtet sich neben deutschen und polnischen Stellen auch an europäische Institutionen.

In Heringsdorf hatte sich bereits Ende Juli ein Aktionsbündnis gegen die Pläne gegründet. Der Widerstand kommt damit längst nicht mehr nur von großen Umweltverbänden.

Vom Probebohrloch zur Förderung ist es noch ein weiter Weg

Bei der Diskussion sollte man einen wichtigen Unterschied nicht übersehen. Ein entdecktes Öl- und Gasvorkommen bedeutet noch nicht, dass die gesamte genannte Menge tatsächlich gefördert wird – und auch nicht, dass die Förderung unmittelbar bevorsteht. Zwischen einer erfolgreichen Probebohrung, der Bewertung eines Vorkommens und einer kommerziellen Förderung liegen technische, wirtschaftliche und rechtliche Schritte.

Die genannten 33 Millionen Tonnen Öl und 27 Milliarden Kubikmeter Gas beschreiben deshalb die Größenordnung der von CEP kommunizierten Ressourcen beziehungsweise Förderpläne – nicht bereits geförderte Mengen. Gerade bei einem Thema, das schnell emotional wird, ist diese Unterscheidung wichtig.

Eine neue Debatte direkt vor Usedoms Haustür

89.000 Unterschriften werden das Projekt nicht automatisch stoppen. Sie zeigen aber, dass aus einer bislang vor allem in Polen geführten Diskussion inzwischen ein grenzüberschreitender Konflikt geworden ist. Für Usedom geht es dabei um mehr als Energiepolitik.

Die Insel verkauft ihren Gästen Strand, Meer und Natur. Wenn wenige Kilometer weiter über die industrielle Nutzung des Meeresbodens diskutiert wird, berührt das zwangsläufig auch das Selbstbild einer Urlaubsregion. Ob aus den Probebohrungen tatsächlich eine groß angelegte Förderung entsteht, ist noch offen.

Die Auseinandersetzung darüber hat an der deutschen Ostseeküste dagegen längst begonnen.

Text und Bild: KI

Hinweis: Das Bild illustriert keine realen Bedingungen, sondern steht als Symbolbild für die Ölförderung Usedom.


Cookie Consent mit Real Cookie Banner