Noch liegt der Spätsommer über der Ostsee. Doch an der Boddenküste kündigt sich bereits eines der eindrucksvollsten Naturschauspiele des Jahres an: Die Kraniche sammeln sich wieder in Vorpommern. Im September kommen zu den heimischen Vögeln immer mehr Kraniche aus Skandinavien und Osteuropa hinzu. Dann können sich zwischen Zingst, Barth, Stralsund und Rügen zeitweise Zehntausende Tiere versammeln.
Wer seinen Ostseeurlaub im September oder Oktober plant, sollte sich das vormerken. Denn die Region gehört zu den bedeutendsten Kranichrastgebieten Europas – und 2026 gibt es einige Neuerungen und feste Termine, die Besucher kennen sollten.
Bis zu 90.000 Kraniche können hier Station machen
Der Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft spricht von bis zu 90.000 Kranichen, die während des Herbstzuges die Region passieren. Damit gehört das Gebiet vom Barther Bodden bis zur Rügen-Bock-Region zu den größten Kranichrastplätzen Mitteleuropas.
Die ersten Vorboten des großen Herbstzuges sind bereits da. Nach Angaben von Kranichschutz Deutschland beginnen sich schon im August die einheimischen Kraniche in der Vorpommerschen Boddenlandschaft zu sammeln. Im September treffen dann zunehmend Vögel aus Skandinavien und Osteuropa ein.
Ihr Zwischenstopp an der Ostseeküste ist überlebenswichtig. Tagsüber suchen die Tiere auf abgeernteten Feldern nach Nahrung und legen Energiereserven für ihre Weiterreise Richtung Südfrankreich und Spanien an. Abends fliegen sie zu ihren geschützten Schlafplätzen in den flachen Boddengewässern.
Und genau dieser abendliche Einflug ist das Schauspiel, wegen dem jedes Jahr zahlreiche Naturfreunde nach Vorpommern reisen.
Wo sieht man die Kraniche am besten?
Eine der besten Regionen zur Beobachtung liegt zwischen Zingst, Barth und Stralsund.
Tagsüber empfiehlt das Nationalparkamt insbesondere die Beobachtungsstationen an den Günzer Seewiesen. Auf den Äckern zwischen Stralsund und Ribnitz-Damgarten lassen sich ebenfalls häufig Kraniche bei der Nahrungssuche beobachten.
Am Abend wird es besonders spektakulär. Dann ziehen teilweise große Kranichgruppen in Richtung ihrer Schlafplätze.
Von Zingst bis Tankow gibt es dafür verschiedene Aussichtsplattformen. Wer ein Fernglas mitnimmt und etwas Geduld hat, bekommt hier im Herbst mit etwas Glück einen der schönsten Sonnenuntergänge an der Ostsee geboten – mit Kranichen statt Möwen am Himmel.
Neu für viele Besucher: Die KRANICHWELTEN in Günz
Wer früher zur Kranichbeobachtung nach Groß Mohrdorf gefahren ist, muss sich umorientieren.
Das frühere NABU-Kranichzentrum in Groß Mohrdorf ist seit August 2025 geschlossen. An seine Stelle ist das neue internationale NABU-Erlebniszentrum KRANICHWELTEN in Günz bei Altenpleen getreten. Dort gibt es eine moderne Ausstellung, Informationen zum aktuellen Zuggeschehen und Hinweise auf geeignete Beobachtungsplätze.
Im September und Oktober ist das Zentrum täglich von 10:00 bis 17:30 Uhr geöffnet.
Der Eintritt kostet derzeit 8 Euro für Erwachsene. Kinder und Jugendliche bis 14 Jahre haben freien Eintritt. Im Preis enthalten ist auch der Zugang zum nahe gelegenen KRANORAMA, einer barrierefreien Beobachtungsstation an den Günzer Seewiesen.
KRANICHWELTEN
Straße des Friedens 21 C
18445 Altenpleen, OT Günz
Wichtig: Ab 7. September gelten am Pramort besondere Regeln
Wer den berühmten abendlichen Kranicheinflug am Pramort auf dem Zingst erleben möchte, sollte seinen Besuch vorher planen.
Vom 7. September bis 1. November 2026 ist der Zugang zur Sundischen Wiese eingeschränkt. Ohne Nationalpark-Card darf man sich dort zwischen 8:00 und 15:00 Uhr aufhalten. Wer auch nach 15 Uhr bis zur Dämmerung bleiben möchte, benötigt eine Nationalpark-Card. Diese ist in der Tourismusinformation im Kurhaus Zingst erhältlich.
Nach Sonnenuntergang bis 8 Uhr morgens ist der Zutritt für alle Besucher gesperrt.
Der Grund dafür ist unmittelbar am Himmel zu sehen: Gerade beim abendlichen Anflug auf die Schlafplätze reagieren Kraniche äußerst empfindlich auf Störungen. Werden sie aufgeschreckt, verbrauchen sie wertvolle Energiereserven oder suchen einen anderen Schlafplatz.
Kraniche beobachten – aber bitte mit Abstand
Ein gutes Foto ist es nicht wert, die Tiere aufzuschrecken. Das Nationalparkamt bittet deshalb darum, ausschließlich von Wegen und Aussichtsplattformen aus zu beobachten. Äsungsflächen auf abgeernteten Feldern dürfen nicht betreten werden. Autos gehören auf ausgewiesene Parkplätze und nicht an Feld- oder Straßenränder.
Auch Drohnen sind keine Alternative für spektakuläre Luftbilder: Im Nationalpark gilt ein generelles Drohnenflugverbot. Hunde müssen an die Leine. Ein Fernglas oder Spektiv bringt ohnehin meist mehr als der Versuch, möglichst nah an die Tiere heranzukommen.
Ab 16. September gibt es Unterstützung von Kranich-Rangern
Besonders praktisch für Urlauber: Vom 16. September bis 22. Oktober 2026 ist am südwestlichen Ortsrand von Zingst wieder das Kranich-Infomobil vorgesehen.
Ab 15 Uhr stehen dort Kranich-Ranger mit Fernglas und Spektiv bereit und begleiten Besucher beim abendlichen Einflug der Vögel auf die Insel Kirr. Der Standort liegt bei 54.42555 N, 12.67452 E.
Gerade wer zum ersten Mal zur Kranichrast kommt, dürfte hier wesentlich mehr entdecken als auf eigene Faust.
Vom 20. bis 27. September ist „Woche des Kranichs“
Wer seinen Urlaub zeitlich flexibel planen kann, sollte sich außerdem den Zeitraum 20. bis 27. September 2026 vormerken. Dann findet die mittlerweile 28. Woche des Kranichs statt. Eröffnet wird sie am Sonntag, 20. September, um 14 Uhr in den KRANICHWELTEN in Günz. Es folgen unter anderem Vogelbeobachtungen, Vorträge, Lesungen und Exkursionen.
Damit dürfte die zweite Septemberhälfte für Naturfreunde eine besonders interessante Reisezeit werden.
Der Ostseebote-Tipp: Nicht nur auf Pramort konzentrieren
Pramort ist der bekannteste Beobachtungsort – aber längst nicht der einzige.
Wer Kraniche vor allem tagsüber beobachten und fotografieren möchte, sollte die Günzer Seewiesen und das KRANORAMA ins Auge fassen. Für den abendlichen Einflug bieten sich dagegen die Beobachtungspunkte rund um Zingst und die Insel Kirr an.
Und manchmal braucht es überhaupt keinen ausgewiesenen Aussichtspunkt: Wer im September über die Landstraßen zwischen Barth, Stralsund und Ribnitz-Damgarten fährt, wird die großen grauen Vögel häufig auf den abgeernteten Feldern entdecken.
Dann gilt allerdings: nicht am Straßenrand anhalten und nicht aufs Feld laufen. Lieber einen regulären Parkplatz suchen, Fernglas herausnehmen und etwas Abstand halten.
Warum gerade der September ein guter Ostsee-Monat ist
Die Kranichrast ist nebenbei ein ziemlich gutes Argument für einen Ostseeurlaub nach den Sommerferien.
Die Strände werden leerer, auf den Radwegen wird es ruhiger und die großen Besucherströme des Hochsommers lassen nach. Gleichzeitig ist die touristische Infrastruktur vielerorts noch vollständig geöffnet.
Und wenn am Abend Tausende Kraniche über den Bodden ziehen, merkt man ohnehin schnell: Die Ostsee hat nach dem Hochsommer noch lange keine Nebensaison.
Aktuelle Informationen zur Kranichrast und zu den Zugängen veröffentlicht der Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft. Informationen zu Beobachtungsmöglichkeiten und Veranstaltungen gibt es außerdem bei den NABU-KRANICHWELTEN.

