Das Jagdschloss Granitz auf Rügen ist eines der meistbesuchten Museen Mecklenburg-Vorpommerns und verbindet fürstliche Architekturgeschichte mit einem der besten Panoramablicke der Insel.

Geschichte des Schlosses

Die Wurzeln des Gutes Granitz reichen bis ins späte 14. Jahrhundert zurück. Nachweislich befand sich das Gebiet von mindestens 1390 bis 1407 im Besitz der Adelsfamilie von Vitzen. Seit 1472 gehörte die Granitz den Herren zu Putbus, die die Region über Jahrhunderte prägten und deren Jagdtradition die Geschichte des Ortes nachhaltig bestimmte.

Im frühen 18. Jahrhundert entstanden die ersten Jagdbauten auf dem heutigen Schlossgelände. Graf Moritz Ulrich I. zu Putbus ließ 1726 das zweigeschossige Jagdhaus „Solitüde“ mit zwei Pavillons errichten. 1730 wurde auf dem 107 Meter über dem Meeresspiegel liegenden Tempelberg ein Fachwerk-Belvedere als Aussichtsturm gebaut, der jedoch 1810 wieder abgerissen wurde. 1814 erfolgte eine Modernisierung des Jagdhauses im neogotischen Stil.

Der eigentliche Schlossbau geht auf Fürst Wilhelm Malte I. zu Putbus zurück, der 1807 in den schwedischen Fürstenstand erhoben worden war. Ab etwa 1830 entwickelte er konkrete Pläne für einen repräsentativen Neubau. Eine überlieferte Skizze des preußischen Kronprinzen Friedrich Wilhelm IV. aus dem Jahr 1830 gilt als gestalterische Grundlage für das heutige Schloss. Der an der Berliner Bauakademie ausgebildete Architekt Johann Gottfried Steinmeyer wurde mit der Planung beauftragt und orientierte sich an dem kronprinzlichen Entwurf mit vier runden Ecktürmen, zunächst ohne Mittelturm.

Ende der 1830er Jahre überarbeitete Karl Friedrich Schinkel die Pläne auf Bitte des Fürsten. Er führte den 38 Meter hohen Mittelturm wieder ein und plante eine aufwändige, freitragende Wendeltreppe. Das Schloss wurde im Stil norditalienischer Renaissancekastelle als verputzter Backsteinbau errichtet. Die Bauzeit erstreckte sich von 1837 bis 1846, da vorrangig in den Sommermonaten gearbeitet wurde. Die prätentiöse Innenausstattung dauerte länger als der Rohbau, und der Gesamtaufwand belief sich auf fast 100.000 Taler.

Das Jagdschloss blieb bis 1944 im Besitz der Familie von Putbus. Nach der Inhaftierung von Malte von Putbus unterstand es nationalsozialistischer Verwaltung. Im Zuge der Bodenreform in der SBZ und späteren DDR wurde das Anwesen enteignet und befindet sich bis heute in staatlicher Hand. Nach 1945 gingen zahlreiche Einrichtungsgegenstände verloren; Teile des Kunstguts gelangten in sowjetische Depots und wurden 1953 an die Staatlichen Museen Berlin übergeben.

In den 1960er Jahren wurde das Jagdschloss als Museum für Jagd- und Naturkunde eröffnet. Von 1983 bis 1990 sowie erneut von 2011 bis 2014 wurde das Schloss umfassend restauriert und die Ausstellung neu gestaltet. Die Sanierung zu Beginn des 21. Jahrhunderts kostete 7,9 Millionen Euro.

Architektur und Ausstellungen

Der annähernd quadratische Bau mit vier runden Ecktürmen und dem zentralen Mittelturm prägt die Silhouette des Schlosses. Der 38 Meter hohe Mittelturm wurde 1844 nachträglich errichtet und beherbergt eine freitragende Wendeltreppe mit 154 gusseisernen Stufen, deren statische Kräfte von den Seitenwänden aufgenommen werden. Von der 144 Meter über dem Meeresspiegel liegenden Aussichtsplattform des Turms bietet sich ein Panoramablick über den Süden und Osten Rügens; bei klarer Sicht reicht die Fernsicht bis nach Usedom.

Die aktuelle Dauerausstellung wurde 2014 eröffnet und behandelt Schlossgeschichte, die Fürstenfamilie zu Putbus und die Jagdtradition. Zu den Ausstellungsschwerpunkten gehören historische Jagdgewehre, die Sammlung „Hirsche der Welt“ sowie Möbel und Objekte des 19. Jahrhunderts.

Highlights in der Umgebung

Das Schloss liegt im rund 1.000 Hektar großen, zusammenhängenden Buchen-Mischwald der Granitz, der seit 1991 Teil des Biosphärenreservats Südost-Rügen ist. Die Granitz ist für ihre alten Buchen, Traubeneichen und Kesselmoore bekannt und bietet ein dichtes Netz an Wanderwegen.

Das Ostseebad Binz, der nächstgelegene Badeort mit Strand, Seebrücke und wilhelminischer Bäderarchitektur, liegt nur wenige Kilometer entfernt. Etwa zwei Kilometer vom Schloss befinden sich bedeutende bronzezeitliche Großsteingräber in Lancken-Granitz. Rund 15 Autominuten entfernt bietet das Naturerbe Zentrum Rügen in Prora unter anderem den Baumwipfelpfad mit Blick auf die Ostsee. Die historische Rügensche Kleinbahn „Rasender Roland“ verbindet Binz mit dem Haltepunkt Jagdschloss Granitz und ist selbst ein beliebtes Ausflugsziel.

Öffnungszeiten und Eintrittspreise

Die Öffnungszeiten variieren je nach Jahreszeit. Von Januar bis März ist das Schloss dienstags bis sonntags von 10 bis 16 Uhr geöffnet. Im April gelten tägliche Öffnungszeiten von 10 bis 17 Uhr. In der Hauptsaison von Mai bis September kann das Schloss täglich von 10 bis 18 Uhr besichtigt werden. Im Oktober ist es täglich von 10 bis 17 Uhr geöffnet. In den Wintermonaten November und Dezember gelten wiederum die Zeiten Dienstag bis Sonntag von 10 bis 16 Uhr. Der letzte Einlass erfolgt grundsätzlich 30 Minuten vor Schließung. Am 24. und 31. Dezember ist das Schloss bis 14 Uhr geöffnet.

Der Eintritt für Erwachsene beträgt 9 Euro. Der ermäßigte Eintritt für Gruppen ab zehn Personen, Studierende, Arbeitslose und Schwerbehinderte liegt bei 7 Euro. Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren haben freien Eintritt. Schulklassen sind ebenfalls kostenfrei.

Führungen und Angebote

Öffentliche Führungen werden gegen eine zusätzliche Gebühr von 5 Euro angeboten, ermäßigt 4 Euro. Für Gruppen bis 20 Personen wird eine kurze Einführung von etwa 15 Minuten für 20 Euro angeboten. Individuelle Führungen für Gruppen bis 20 Personen kosten 75 Euro zuzüglich Eintritt. Familienführungen werden für 10 Euro für Erwachsene angeboten, Kinder nehmen kostenfrei teil.

Anreise und Parkmöglichkeiten

Mit der Rügenschen Kleinbahn gelangen Besucher ab Binz bis zur Haltestelle „Jagdschloss Granitz“, von dort führt ein kurzer Fußweg zum Schloss. Der elektrische Jagdschloss-Express bietet ebenfalls eine Verbindung von Binz zum Schloss. Mit dem Auto steht am Fuße des Tempelbergs ein Parkplatz zur Verfügung; von dort sind es etwa 10 bis 15 Minuten Fußweg durch den Wald. Vom Zentrum Binz führen ausgeschilderte Wanderwege durch den Granitzer Wald, die etwa 30 bis 45 Minuten Gehzeit benötigen.

Besondere Hinweise

Das Schlossgelände ist grundsätzlich zugänglich; die historische Wendeltreppe im Turm ist aufgrund ihrer Bauweise nicht barrierefrei. Für einen ruhigeren Besuch eignen sich die Frühjahrsmonate April und Mai sowie der Spätherbst im Oktober. In der Sommersaison sind frühe Morgen- oder späte Nachmittagsstunden empfehlenswert. Für klassische Fotografien des Schlosses mit den vier Ecktürmen und dem Mittelturm bietet sich die Zufahrtsstraße an; detailreiche Aufnahmen gelingen von der Rückseite.

Das Jagdschloss Granitz verbindet als historisches Bauwerk, Museum und Aussichtspunkt mehrere Attraktionen auf engem Raum und ist damit ein zentraler Anlaufpunkt für kultur- und naturinteressierte Besucher auf Rügen.

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