Die 49. Hafenfesttage in Heiligenhafen: Zehn Tage lang wird der Hafen zur Bühne. Ein Ereignis, das zugleich Volksfest, Imagefaktor und wirtschaftlicher Impulsgeber ist. Gleichzeitig auch Wegmarke für eine 50jährige Tradition im modernen Massentourismus. Ist Heiligenhafen erneut an einer Weggabelung hin zu einer neuen Art von Tourismus an der Ostsee?

Die Hafenfesttage – ein 10tägiges Sommerhighlight

Die Heiligenhafener Hafenfesttage sind ein zehntägiges Fest, bei dem sich das Hafengebiet in eine durchgehende Festmeile mit Musik, maritimen Erlebnissen und Gastronomie verwandelt. Auch der Ostsee-Ferienpark hebt die Hafenfesttage als fest verankertes „Sommerhighlight“ hervor, das Jahr für Jahr mit zahlreichen Veranstaltungen und maritimer Atmosphäre Gäste anzieht.

Doch auch auf Sicherheit wird Wert gelegt. Im Bericht „Sicherheitsauflagen für Hafenfesttage steigen immer weiter“ im „Fehmarnschen Tageblatt“ wird deutlich, wie umfassend die Vorbereitung im Hintergrund ist: Aufbauarbeiten laufen bereits Tage vor dem Start, das Riesenrad dreht frühzeitig seine Runden und kündigt die nahende „fünfte Jahreszeit“ der Stadt an. Zehn Tage mit „Musik, guter Laune und vielen gemeinschaftlichen Momenten“ stehen dort im Mittelpunkt, wie Tourismusleiter Eike Doyen zitiert wird.

Programm, Sicherheit und Organisation – professionelles Eventmanagement

Das Programm der Hafenfesttage spannt den Bogen von Live-Musik über Familienangebote wie „Fischers Hafenrummel“ und Kinderaktionen bis hin zum großen Festumzug am Sonntag, der seit Jahren fester Bestandteil des Ablaufs ist. Eine Veranstaltung, bei der sich das gesamte Hafengebiet – von der Promenade bis zum Fischereihafen – in eine zusammenhängende Festzone verwandelt.

Aber auch die Sicherheitsanforderungen steigen. Laut Tourismusleiter Doyen haben sich die Kosten für Sicherheitsmaßnahmen seit 2019 mehr als verdreifacht; eingesetzt werden unter anderem mit Sand gefüllte Big Bags als mobile Sperren, die Zufahrtswege blockieren und verhindern sollen, dass Fahrzeuge in Menschenmengen fahren können. Hinzu kommen neu eingerichtete Pufferzonen entlang der Umzugsstrecke, die in enger Abstimmung mit Ordnungsbehörde und Polizei geplant wurden und für Gäste „praktisch nicht wahrnehmbar“ bleiben sollen.

Tourismus als Wirtschaftsfaktor in Heiligenhafen

Heiligenhafen legt sich also weiterhin ins Zeug für seine Urlauber. Welche Rolle der Tourismus für spielt, macht eine Untersuchung zum „Wirtschaftsfaktor Tourismus“ deutlich, die im Auftrag der Stadt erstellt wurde. Der Bericht zeigt, dass durch Übernachtungsgäste und Tagesbesucher erhebliche Umsätze in den Bereichen Beherbergung, Gastronomie, Einzelhandel und Dienstleistungen generiert werden, die schon 2022 knapp 120 Millionen Euro Jahresumsatz in die Kassen der Heiligenhafener spülten. Die Studie erläutert zudem, dass der Tourismus über Steuern wie Gewerbesteuer, Grundsteuer, Zweitwohnungssteuer sowie über Kurtaxe und Tourismusabgabe maßgeblich zur Finanzierung kommunaler Aufgaben beiträgt.

Die touristische Wertschöpfung gilt als Querschnittsbranche, von der neben Hotels und Gastronomie auch Handwerk, Einzelhandel, regionale Produzenten und Dienstleister profitieren. Heiligenhafen wird dabei als Beispiel einer Küstenstadt beschrieben, die sich gezielt touristisch neu ausrichtet und Investitionen in Promenade, Hafen und Ferieninfrastruktur wesentlich aus der Attraktivität als Urlaubsort speist.

Ruhe und Erholung oder Karussell und Zuckerwatte? Heiligenhafen versucht den Spagat.

Rolle der Hafenfesttage im touristischen Profil der Stadt

Vor diesem Hintergrund sind die Hafenfesttage mehr als ein lokales Volksfest, sie sind ein zentrales Element der touristischen Marke Heiligenhafen. In der offiziellen Kommunikation werden sie als „Sommerhighlight“ und „maritimes Highlight des Jahres“ bezeichnet, das echtes Hafenflair, Lebensfreude und Festivalstimmung direkt an die Hafenkante bringt. Dabei tragen die kostenlosen Zugänge zur Festmeile dazu bei, sowohl Übernachtungsgäste länger vor Ort zu halten als auch zusätzliche Tagesbesucher aus der Region anzuziehen – beides Faktoren, die die touristische Wertschöpfung steigern.

Tourismus und Region: Wertschöpfung und Spannungsfelder

Die wirtschaftlichen Effekte der Tourismusbranche machen sich nicht nur in Heiligenhafen selbst bemerkbar, sondern wirken in die Region Ostholstein hinein. Die oben genannte Studie zeigt, dass Kommunen einen Teil der touristischen Nettoumsätze als direkte Steuereinnahmen verbuchen können, während zusätzliche Effekte über Zulieferketten, Pendlerarbeitsplätze und gemeinsame Vermarktung der Ostseeküste entstehen. Doch widerspricht es sich nicht, wenn immer mehr Urlauber sich gegenseitig auf den Füßen stehen, obwohl sie doch eigentlich Ruhe und Erholung suchen?

Daher wird in der Berichterstattung, etwa in einem Beitrag von Deutschlandfunk Kultur, auf solche Spannungsfelder hingewiesen: steigende Immobilienpreise, wachsende Übernachtungszahlen und Debatten um Gentrifizierung in Heiligenhafen. In diesem Spannungsfeld markieren Großereignisse wie die Hafenfesttage einen Balanceakt zwischen touristischer Nutzung, Lebensqualität der Einheimischen und dem Erhalt des maritimen Charakters des Ortes.

50 Jahre moderner Massentourismus an der Ostsee

Die 49. Hafenfesttage in Heiligenhafen stehen an der Schwelle zu einem Jubiläumsjahr und werden im „Fehmarnschen Tageblatt“ zugleich als aufwendig gesicherte, aber atmosphärisch leichte Veranstaltung beschrieben. Tourismusleiter Eike Doyen betont dort, dass bereits zahlreiche Ideen für das 50. Jubiläum vorliegen und nach dem Motto „Nach dem Hafenfest ist vor dem Hafenfest“ direkt nach dem Ende der aktuellen Ausgabe mit den Planungen für 2027 begonnen wird.

Es bleibt spannend, wie sich Heiligenhafen weiter entwickeln wird. Der Ort war, ist und bleibt wohl auch ein Gradmesser, wie die Touristenorten an der Ostsee ihre Rolle als touristischer Anziehungspunkt interpretieren: als Volksfest mit professioneller Organisation und einem profitorientierten Wirtschaftsmodell, als integrierte Region, in der es gelingt sowohl die Bestandsbevölkerung als auch die Urlauber gleichzeitig zufrieden zu stellen oder als dauerhaftes Spannungsfeld zwischen Tradition, Moderne und Tourismus.

Fotos: Screenshot / Michael Held (Unsplash)


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