Es sieht unscheinbar aus, ist aber für die Ostsee von großer Bedeutung: Seegras ist ein grüner Schatz der Ostsee und bietet kleinen Meerestieren ein Zuhause, hält den Meeresboden zusammen und speichert Kohlenstoff. Jetzt sollen die grünen Unterwasserwiesen an Mecklenburg-Vorpommerns Küste besser geschützt werden. Dafür stehen rund zwölf Millionen Euro bereit.

Wer an der Ostsee Urlaub macht, freut sich über klares Wasser, saubere Strände und eine möglichst unberührte Natur. Dass ausgerechnet Seegras dabei eine wichtige Rolle spielt, wissen vermutlich nur wenige. Dabei ist die Pflanze ein kleines Naturwunder. Seegras wächst auf dem Meeresboden und bildet dort ganze Wiesen. Seine langen, schmalen Blätter bewegen sich mit der Strömung. Zwischen ihnen finden kleine Fische und andere Meerestiere Nahrung und Schutz.

Doch viele Seegraswiesen sind in den vergangenen Jahrzehnten verschwunden. Jetzt wollen Wissenschaftler herausfinden, wie sich die verbliebenen Bestände besser schützen und verlorene Wiesen wiederherstellen lassen.

Zwölf Millionen Euro für die Unterwasserwiesen

Das Umweltministerium Mecklenburg-Vorpommern hat am 7. Oktober über das Forschungsprojekt „MV SEAGRASS for climate“ informiert. Das auf acht Jahre angelegte Vorhaben wird von Berlin aus mit rund zwölf Millionen Euro gefördert. Bis 2033 soll unter anderem eine langfristige Strategie zum Schutz der Seegraswiesen entstehen.

Dafür untersuchen Wissenschaftler die Küste Mecklenburg-Vorpommerns. Sie wollen feststellen, wo heute noch Seegras wächst, wo es früher vorkam und an welchen Stellen neue Wiesen entstehen könnten. An ersten ausgewählten Standorten soll die Wiederansiedlung erprobt werden. Das geht aus einer Mitteilung des Umweltministeriums Mecklenburg-Vorpommern vom 7. Oktober 2026 hervor.

Ein Kinderzimmer für die Ostsee

Seegras ist weit mehr als eine gewöhnliche Wasserpflanze. Die dichten Wiesen bieten zahlreichen Meerestieren einen geschützten Lebensraum. Zwischen den Blättern können sich Jungfische verstecken. Kleine Krebse und andere wirbellose Tiere finden dort Nahrung.

Auch für den Meeresboden sind die Pflanzen wichtig. Ihre Wurzeln halten Sand und Schlamm zusammen. Die Blätter bremsen die Wasserbewegung und können verhindern, dass aufgewirbelte Teilchen das Wasser trüben. Seegraswiesen tragen damit zu einer gesunden Unterwasserwelt bei.

Das ist auch für Urlauber von Vorteil. Eine Ostsee mit vielfältigen Lebensräumen und einer guten Wasserqualität ist schließlich die Grundlage für einen attraktiven Natur- und Badeurlaub.

Seegras kann sogar dem Klima helfen

Eine weitere Besonderheit liegt unter dem Meeresboden. Wie andere grüne Pflanzen nimmt Seegras bei der Fotosynthese Kohlendioxid auf. Einen Teil des darin enthaltenen Kohlenstoffs speichern die Pflanzen in ihren Blättern und Wurzeln. Abgestorbene Pflanzenteile können im Meeresboden eingeschlossen werden. Unter günstigen Bedingungen bleibt der Kohlenstoff dort über lange Zeit gespeichert.

Deshalb interessieren sich Klimaforscher zunehmend für Seegraswiesen. Allerdings ist Seegras kein Wundermittel gegen den Klimawandel. Wissenschaftler des Forschungsprogramms CDRmare weisen darauf hin, dass das zusätzliche CO₂-Speicherpotenzial deutscher Seegraswiesen begrenzt ist. Der Schutz bestehender Wiesen ist dennoch wertvoll: Er bewahrt Lebensräume und bereits vorhandene Kohlenstoffvorräte.

Kann man Seegras einfach wieder anpflanzen?

Ganz so einfach ist es nicht. Seegras benötigt geeignete Bedingungen, um dauerhaft zu wachsen. Vor allem muss genügend Sonnenlicht bis zum Meeresboden gelangen. Ob neue Anpflanzungen erfolgreich sind, hängt deshalb unter anderem von der Wasserqualität und den örtlichen Umweltbedingungen ab.

Im Forschungsprojekt SeaStore untersuchen Wissenschaftler bereits, wie sich Seegraswiesen in der südlichen Ostsee wiederherstellen lassen. Dazu gehören auch Versuchsflächen in der Nähe von Kiel und Maasholm. Die Forscher wollen herausfinden, welche Methoden funktionieren und wie schnell neu angelegte Wiesen ihre natürlichen Aufgaben übernehmen.

Gute Nachrichten für die Ostsee

Bis neue Seegraswiesen entstehen und sich dauerhaft ausbreiten, dürfte es noch dauern. Das jetzt vorgestellte Forschungsprojekt verspricht deshalb keine schnellen Erfolge. Es schafft aber die Grundlagen dafür, einen wertvollen Teil der Ostseenatur langfristig zu erhalten.

Und vielleicht lohnt es sich beim nächsten Strandspaziergang, einmal genauer hinzusehen. Denn die grünen Pflanzen, die unter der Wasseroberfläche wachsen, leisten für die Ostsee weit mehr, als man ihnen auf den ersten Blick zutrauen würde.

Die schönsten Schätze der Ostsee liegen eben manchmal dort, wo man sie gar nicht sieht.

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