Brände, Explosionen, Drohnenattacken: Seit Jahren kämpft Binz gegen das LNG-Terminal im Hafen Mukran und entwirft Horrorszenarien. Jetzt ist das Ostseebad mit seinem Wehklagen vor dem Bundesverwaltungsgericht endgültig gescheitert. Die Richter nahmen der Gemeinde die Angst nicht ab. Vermutlich aber die Gäste. Deren Zahl sank.
Der Streit um das LNG-Terminal auf Rügen hat Binz jahrelang beschäftigt. Nun ist zumindest der juristische Kampf gegen die Betriebsgenehmigung vorbei. Das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig hat die Klage der Gemeinde endgültig als unzulässig abgewiesen. Das Terminal darf damit weiterbetrieben werden. Und die Begründung des Gerichts fällt für Binz deutlich aus.
Mehr als 1,5 Kilometer – für das Gericht zu weit weg
Binz hatte geltend gemacht, dass vom Terminal schwere Störfallrisiken ausgehen könnten. Brände und Explosionen könnten nach Auffassung der Gemeinde Einwohner, Urlauber sowie Kur- und Strandeinrichtungen gefährden. Doch das Gericht sah schon die Voraussetzung für eine zulässige Klage nicht erfüllt.
Binz habe nicht ausreichend aufgezeigt, dass die Gemeinde durch das Terminal in ihrer eigenen Rechtsstellung verletzt werden könnte. Kommunale Einrichtungen und beplante Gebiete lägen „weit außerhalb“ des ermittelten angemessenen Sicherheitsabstands. Vom Terminal bis zum nächstgelegenen beplanten Gebiet von Binz sind es laut Bundesverwaltungsgericht mehr als 1,5 Kilometer.
Die Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts ist damit bemerkenswert: Das Gericht hat nicht entschieden, dass ein LNG-Terminal grundsätzlich ungefährlich ist. Die Klage scheiterte vielmehr bereits daran, dass Binz eine mögliche Verletzung eigener Rechte nicht ausreichend darlegen konnte. Natürlich ist ein LNG-Terminal eine gefährliche Anlage. Nur sollte man schon nah genug daran liegen, um eigene Ansprüche geltend zu machen.
Selbst Drohnen waren Thema vor Gericht
Binz hatte zuletzt noch ein Szenario ins Verfahren eingebracht, das bei der ursprünglichen Planung des Terminals kaum im Mittelpunkt gestanden haben dürfte: Angriffe durch Drohnen. Der Anwalt der Gemeinde argumentierte vor Gericht, dass sich die Gefahrenlage verändert habe. Unlängst hatte eine Russland zugeschriebene Attacke am Leipziger Flughafen für mediale Aufmerksamkeit gesorgt.
Auch anlaufende LNG-Tanker müssten in die Risikobetrachtung einbezogen werden. Doch auch damit konnte Binz das Gericht nicht überzeugen. Der Vorsitzende Richter erklärte nach Angaben der dpa ausdrücklich, dass auch Eingriffe mit Drohnen berücksichtigt worden seien. Damit ist der Versuch gescheitert, über eine veränderte Sicherheitslage doch noch eine unmittelbare Betroffenheit von Binz zu begründen.
Jahrelang wurde vor Schäden für den Tourismus gewarnt
Seit Beginn der Planungen war die Sorge um den Tourismus eines der wichtigsten Argumente der Terminalgegner. Das ist auf Rügen nachvollziehbar. Binz lebt von seinem Image als Ostseebad. Strand, Seebrücke, Bäderarchitektur und Natur sind das Kapital des Ortes. Industrieanlagen passen auf den ersten Blick schlecht in dieses Bild. 2023 gingen LNG-Gegner bei einer Protestaktion sogar mit drei symbolischen Urnen zur Binzer Seebrücke. Auf ihnen stand: „Natur“, „Tourismus“ und die ebenfalls zu Grabe getragene „Zukunft“ des Ortes. Emotionen pur.
Das Terminal kam trotzdem. Seit September 2024 läuft es im Regelbetrieb. Damit lässt sich inzwischen erstmals überprüfen, ob zumindest die schlimmsten touristischen Befürchtungen eingetreten sind.
Und dann passierte etwas Überraschendes
Die Gäste blieben nicht weg. Jedes Jahr verzeichnet Binz rund 2,8 Millionen Übernachtungen. Der befürchtete Einbruch des Tourismus lässt sich aus diesen Zahlen jedenfalls nicht ablesen. 2026 sieht es bislang schwächer aus. Binz liegt nach Angaben von Bürgermeister Mario Kurowski etwa 100.000 Übernachtungen unter dem Vergleichswert. Doch ausgerechnet der Bürgermeister selbst stellt dabei keinen Zusammenhang mit dem LNG-Terminal her.
„Unsere Touristen nehmen das Terminal nicht mehr so wahr“, sagte Kurowski der Ostsee-Zeitung. Den Rückgang führt er eher auf wirtschaftliche Entscheidungen der Urlauber zurück. Das heißt nicht, dass alle damaligen Sorgen unbegründet waren. Es bedeutet aber: Ein messbarer Einbruch des Binzer Tourismus durch das LNG-Terminal ist bislang nicht erkennbar.
Der Widerstand kam Binz teuer zu stehen
Für Binz hatte der Kampf gegen das Terminal dagegen einen sehr konkreten Preis. Nach Angaben des Bürgermeisters summieren sich die nachweisbaren Kosten im Zusammenhang mit dem LNG-Streit seit 2023 auf rund 662.000 Euro. Darin enthalten seien Ausgaben der Gemeinde und des Eigenbetriebs Binzer Bucht Tourismus, unter anderem für Gutachten, fachliche Stellungnahmen und die Vorbereitung der Verfahren.
Mehr als eine halbe Million Euro – und am Ende eine Klage, die bereits an der Zulässigkeit scheitert. Klimaschutzminister Till Backhaus findet dafür deutliche Worte. Die Gemeinde habe sich durch das jahrelange Gerichtsverfahren in eine schwierige finanzielle Situation gebracht, erklärte er nach dem Urteil. Gleichzeitig betonte Backhaus allerdings auch etwas, das in der aufgeheizten Debatte leicht untergeht: Er selbst sei „kein Freund dieser Technologie“. LNG sei ein Auslaufmodell und allenfalls eine Brückentechnologie. Die vollständige Stellungnahme hat das Umweltministerium Mecklenburg-Vorpommern veröffentlicht.
Das Terminal ist längst Alltag geworden
Während vor Gericht noch gestritten wurde, wurde in Mukran längst Gas umgeschlagen. Seit Beginn des Regelbetriebs im September 2024 haben nach Angaben des Betreibers mehr als 50 LNG-Tanker den Hafen angelaufen. Im Durchschnitt entspricht das ungefähr einer Lieferung alle zwei Wochen. Das Terminal selbst besteht aus schwimmenden Anlagen, in denen verflüssigtes Erdgas gespeichert und wieder in gasförmigen Zustand gebracht wird. Die Genehmigung läuft bis Ende 2043.
Ganz verschwunden sind die Konflikte allerdings nicht. Anwohner beklagen weiterhin Lärm. Jedoch sollte nicht verschwiegen werden, dass Mukran schon seit 1982 – also seit mehr als vierzig Jahren – als Industrie- und Umschlaghafen ausgebaut ist. Auch über die Stromversorgung des Terminals wurde gestritten. Das Bundesverwaltungsgericht entschied bereits 2025, dass ein dauerhafter Weiterbetrieb der schiffseigenen Verbrennungsmotoren anstelle der ursprünglich vorgesehenen Landstromversorgung ein Änderungsgenehmigungsverfahren benötigt. Der Betrieb des Terminals ist also keineswegs frei von offenen Fragen.
Was bleibt nach drei Jahren Streit?
Politisch wird das LNG-Terminal auf Rügen umstritten bleiben. Der Dauerkonflikt an vielen Stellen in Deutschland bleibt: Wie sehr wollen die Bewohner Deutschlands für Energiesicherheit, gute Straßen und erfolgreiche Wirtschaft selbst die nötigen Einschränkungen vor der eigenen Haustür akzeptieren? Juristisch ist für Binz nun allerdings eine wichtige Tür geschlossen. Und touristisch ergibt sich ein Bild, das so mancher 2023 anders gezeichnet hat: Das Terminal ist gekommen. Die LNG-Tanker kommen. Das Terminal ist vom Meer und von Teilen der Küste aus sichtbar. Urlauber scheinen sich an diesem Umstand jedenfalls nicht groß zu stören.
Die Urlauber kommen aber ebenfalls.
Das bedeutet nicht, dass sich daraus für alle Zukunft Entwarnung ableiten lässt. Ebenso wenig sagt die Zahl der Übernachtungen etwas darüber aus, wie einzelne Gäste das Terminal wahrnehmen oder wie sich ein schwerer Störfall auswirken würde. Aber nach mehr als zwei Jahren Betrieb gibt es einen Unterschied zwischen dem, was damals befürchtet wurde, und dem, was bislang tatsächlich eingetreten ist. Der juristische Kampf gegen das LNG-Terminal hat Binz nach eigenen Angaben rund 662.000 Euro gekostet. Der befürchtete Zusammenbruch des Tourismus ist dagegen bislang ausgeblieben. Gut für Binz. Die Gemeinde muss schließlich nun den finanziellen Verlust wieder wett machen.
Ob es sinnvoll war, für den Kampf gegen das LNG-Terminal selbst Horrorszenarien an die Wand zu malen, muss die Gemeinde Binz für sich entscheiden.
Text und Bild: KI (Das Bild ist eine fiktionale Darstellung)

