Der Geldbeutel wird immer schmaler. Benzinpreise, Steuern und die Lebensmittel werden inzwischen in Gold aufgewogen, scheint es. Und dennoch können es die Deutschen einfach nicht lassen: die Sache mit dem Urlaub. Aber insgesamt verändert sich der Tourismus an der Ostsee gerade gewaltig – auch, wenn man es nicht sofort erkennt.
Was tun, wenn überall die Preise steigen und man dennoch zum Urlaub an die Ostsee will? Klar, sparen! Aber wie? Die meisten haben eine Lösung darin gefunden, zwar nicht am Urlaub zu sparen, dafür aber im Urlaub. Doch Ursache und Wirkung sitzen tiefer.
Krisenstimmung und Geldsorgen haben Auswirkungen auf den Urlaub an der Ostsee
Im Auftrag des Bundesverbands der Deutschen Tourismuswirtschaft (BTW) hat eine Yougov-Umfrage Anfang des Jahres gezeigt, das immer noch eine Mehrheit von 64 Prozent der Bevölkerung Reisen als notwendige Auszeit vom belastenden Alltag ansehen. Jeder Zweite beschreibt Urlaub als wichtigen Teil der eigenen Lebensqualität. Es gab zwar in den letzten Jahren noch eine Lockdown-bedingte Corona-Delle aber die Zahlen haben sich wieder erholt. Für 2024 nennt eine aktuelle Branchenquelle bereits rund 496,1 Mio. Übernachtungen in Deutschland in der Wintersaison 2024/25 beziehungsweise rund 496 Mio. Übernachtungen für das Gesamtjahr 2024, also etwa wieder Vorkrisenniveau.

Die Statistik hinkt der Gegenwart immer ein wenig hinterher. 2025 merkte man als Vermieter schon, dass sich das Urlaubsverhalten der Deutschen änderte. Dieser Trend und dieses Gefühl verstärkt sich auch in diesem Jahr. Und damit wird 2026 für den Tourismus in Deutschland unserer Meinung nach DAS entscheidende Jahr werden.
In 2026 blickt eine deutliche Mehrheit (67 Prozent) negativ bis sehr negativ auf die globale Lage – auch mit spürbaren Folgen für ihr eigenes Buchungs- und Reiseverhalten. Dieser Trend der Angst und Unsicherheit verstetigt sich also nun seit einiger Zeit. Viele reagieren auf geopolitische Krisen mit risikoärmerem Verhalten, etwa einer stärkeren Konzentration auf europäische und bereits bekannte Reiseziele. Doch die Signale sind ambivalent.
80 Prozent der Deutschen haben Geld für Urlaub und nutzen das auch
Denn nahezu gleichzeitig melden die Medien reißerisch, dass sich „jeder Fünfte“ noch nicht mal mehr einen einwöchigen Urlaub leisten könne. Das kann man so sehen. Man kann es auch anders betrachten. Jeder Fünfte – das sind also 20 Prozent. Umgekehrt betrachtet sagen also 80 Prozent der Deutschen, dass sie sich einen mindestens einwöchigen, wenn nicht mehrwöchigen Urlaub leisten können.
Demnach müsste Urlaub eigentlich boomen. Doch irgendwas hat sich geändert. Das spürt und vermutet man, wenn man an den heruntergelassenen Rollläden mancher verlassener Feriendomizile mitten in der Hauptsaison an der Ostsee vorbeikommt. Das war früher nicht so. Im Sommer konnte man an der Ostsee noch das letzte Gartenklo vermieten. In diesem Jahr stehen selbst hochwertige Ferienhäuser über Wochen oder gar Monate in der Hauptsaison leer. Preis und Qualität können also nicht die ausschlaggebenden Faktoren sein, warum Urlauber sich irgendwie anders verhalten, als früher.
Auslastung an der Ostsee – Gut, aber….
Kurz vor Beginn der Sommerferien bewertete die Tourismusagentur Schleswig-Holstein die Buchungslage im Land als zufriedenstellend bis gut. Begeisterung klingt anders. Rund 80 Prozent der Hotels und Ferienwohnungen sind belegt, auch wenn das Vorjahresniveau noch nicht erreicht wird, heißt es. Da ist er also, der Knick nach unten. Das stetige Aufwärts der Nach-Corona-Zeit knickt kurz vor Erreichen des „Vorkrisen-Niveaus“ wieder nach unten. Doch was hat sich geändert?
Urlauberverhalten – die neuen Trends
- Auffällig ist der Trend zu immer kurzfristigeren Entscheidungen – viele Gäste buchen erst wenige Tage vor Reiseantritt und bleiben auch kürzer als früher. Wer nur langfristige Buchungsvorläufe anbietet und lange Aufenthalte mit einer Mindestdauer von einer Woche und mehr, der geht mitunter leer aus.
- Hunde sind ein immer wichtigerer Urlaubsbegleiter. Der Trend der Deutschen weg vom Kind hin zum Hund ist weiterhin bestimmend. Das hat auch Auswirkungen auf das Buchungsverhalten der Deutschen. Paare, die eine Ferienunterkunft mit Hunden suchen, werden immer häufiger und quasi der „Goldstandard“ in der Tourismusbranche an der Ostsee. Wohl dem, der seine Unterkunft an Urlauber mit Hund vermietet. Dahingegen werden die Familien mit Kind eher seltener.
- Großgruppen und besondere Zielgruppen. Immer häufiger schließen sich einzelne Paare zusammen oder Familien verbinden den Urlaub mit einem Familienfest. Dann werden Omas und Opas, Onkel und Tanten gerne mitgebracht. Ferienhäuser mit einer Kapazität von mehr als sechs Personen sind dann für diese Zielgruppen die beste Wahl. Doch nur die wenigsten Ferienunterkünfte bieten tatsächlich soviel Raum.
- Natururlaub statt Sonnnencreme und Bier am Strand. Auch während des Urlaubs hat sich das Verhalten der Touristen geändert. Die klassische Bikini-Show am Strand und der ganztägige Aufenthalt am Wasser sind nicht mehr prägend. Urlauber von heute wollen sich zwar auch im und am Wasser entspannen – sie suchen aber auch Radtouren in der Umgebung oder wollen Freizeitangebote, wie den Hansa-Park oder die verschiedenen Karls Erdbeerhöfe an der Ostsee erleben.
- Auch beim Geld im Urlaub gibt es einen zwangsläufigen Trend, der mit den schmaleren Geldbeuteln zu tun hat. Jeden Tag in der Pizzeria essen gehen – das war einmal. Ferienhäuser sind im Vergleich zu Hotels stärker nachgefragt und wer über eine voll ausgestattete Küche verfügt, der kocht und backt auch gern. Bei Restaurantpreisen von gut und gerne 30 Euro pro Person sind das heimische Buffet und das Nackensteak vom Grill eine sinnvolle Alternative für viele.
Entscheidende Veränderungen im Reiseverhalten – langfristiger Trend
Das sind im einzelnen nur Kleinigkeiten. Bei 50 Millionen touristischen Übernachtungen an der Ostsee summieren sich diese kleinen Veränderungen zu einem Megatrend. Dieser lautet: Kürzere Reisedauer, Ferienhäuser werden bevorzugt, Gastronomie geht leer aus, aktive Freizeit statt Sonnenbrand am Strand.
Zusammen mit den sinkenden Zahlen für Übernachtungen an der Ostsee in 2026 manifestiert sich ein neues Urlaubsverhalten und wird Auswirkungen auf die gesamte Branche haben.


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